Plagiatsvorwürfe gegen Dissertation : Annette Schavan: "Ich lass' mir das nicht bieten!"

15.10.2012 09:12 Uhrvon , und
Annette Schavan (CDU) steht wegen Plagiatsvorwürfen unter Druck. Foto: dapd
Annette Schavan (CDU) steht wegen Plagiatsvorwürfen unter Druck. - Foto: dapd

Update Nachdem ein vertrauliches Gutachten über die Dissertation von Annette Schavan in die Öffentlichkeit gelangt ist, will die Bildungsministerin mit einer Stellungnahme in die Offensive gehen. Renate Künast nennt ihr Verhalten "beschämend".

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) ist durch die Plagiatsvorwürfe wegen ihrer Doktorarbeit in schweres Fahrwasser geraten. Die Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion Renate Künast zog am Montag Schavans Glaubwürdigkeit in Zweifel. Der bildungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Ernst Dieter Rossmann, forderte den Rücktritt der Bildungsministerin, falls ihr wegen der Vorwürfe der Doktortitel aberkannt wird.

Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ kommt ein Gutachter der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität zu dem Schluss, dass etliche Stellen von Schavans Dissertation das „charakteristische Bild einer plagiierenden Vorgehensweise“ trügen. Insgesamt soll es auf 60 der 351 Seiten langen Doktorarbeit beanstandete Textstellen geben. Zuvor hatte bereits ein Blogger erklärt, er habe in der mehr als 30 Jahre alten Arbeit zahlreiche Stellen mit falsch gekennzeichneten Zitaten gefunden.

Künast sagte, es sei beschämend, dass Schavan die Sache aussitzen wolle. Noch habe Schavan ihr Amt formal inne. „Aber die Glaubwürdigkeit, die sie für eine gute Amtsführung braucht, hat sie schon verloren“, sagte Künast der Düsseldorfer „Rheinischen Post“.

„Eine für Wissenschaft zuständige Ministerin muss doch die Regeln des ehrlichen wissenschaftlichen Arbeitens hochhalten.“ Schavan versicherte der Zeitung: „Ich habe zu keinem Zeitpunkt bei der Arbeit an meiner Dissertation versucht zu täuschen. Sobald mir der Promotionsausschuss Gelegenheit dazu gibt, werde ich zu den Vorwürfen Stellung nehmen.“

Zudem kritisierte die Ministerin die Universität. „Es ist ein bemerkenswerter Vorgang, dass ein vertrauliches Gutachten eines Hochschullehrers der Presse vorliegt, bevor die Betroffene von der Existenz des Gutachtens weiß“, sagte sie der Zeitung weiter. Schavan hatte von dem Gutachten für die Promotionskommission erst aus den Medien erfahren. Erst auf Nachfrage der Ministerin hatte der Rektor der Universität Düsseldorf das 75-seitige Gutachten Schavan am vergangenen Wochenende zugeschickt. Schavan kündigte an, sich weiter an die Spielregeln zu halten „und mit der Universität nicht über die Öffentlichkeit zu kommunizieren“. Gegenüber der "Südwest-Presse" sagte Schavan am Montag in Bezug auf die Plagiatsaffäre, sie lasse sich "das nicht bieten". Nachdem sie fünf Monate „eisern geschwiegen“ habe, bleibe ihr nun nichts anderes übrig, als sich zu wehren, sagte die Politikerin weiter. „Das heißt, ich werde zu den Vorwürfen gegenüber der Universität Stellung beziehen.“ Sie zeigte sich zudem empört darüber, dass „ein Entwurf durchgestochen“ werde, der noch nicht einmal im Promotionsausschuss besprochen worden sei. Sie bekräftigte erneut, dass sie in ihrer 1980 verfassten Arbeit „keine Quelle bewusst falsch angegeben“ habe. Sie gehe daher davon aus, dass von den Vorwürfen „nichts übrig bleibt“.

Der SPD-Abgeordnete Rossmann sah die faktische Entscheidung über einen Verbleib Schavans im Amt bei der Universität. „Am Ende kommt es darauf an, ob die Universität ihr den Doktortitel belässt oder nicht“, sagte Rossmann der „Berliner Zeitung. Falls nicht, habe Schavan selbst hohe Maßstäbe gelegt, als es um den früheren Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) gegangen sei.
Rossmann verwies darauf, dass es nun nicht mehr nur ein anonymer Plagiatejäger sei, der Vorwürfe gegen Schavan erhebe, sondern die Hochschule selbst. Sollten dies zur Aberkennung des Doktortitels führen, solle Schavan “ihre Verdienste als Ministerin für Bildung und Forschung nicht durch Hartnäckigkeit an dieser Stelle in Vergessenheit geraten lassen, sondern in Ehren ihren Abschied nehmen„, forderte er.

Der FDP-Bildungsexperte Patrick Meinhardt erklärte, Schavan müsse „in vollem Umfang die Chance haben, sich zu den Vorwürfen fachlich zu äußeren“. Das Verfahren müsse nun „absolut korrekt“ zu Ende gebracht werden. Der SPD-Politiker Ernst Dieter Rossmann sagte der „Berliner Zeitung“ vom Montag, falls die Universität Düsseldorf Schavan den Titel „nicht belassen sollte“, müsse sie ihr Amt als Ministerin niederlegen.

„Person und Gewissen“ – so lautet der Titel der Promotion von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU), mit der sie vor 32 Jahren ihren Doktortitel an der Uni Düsseldorf erwarb.

Bereits im Mai hatte ein anonymer Plagiatsjäger auf der Internetseite „Schavanplag“ ( schavanplag.wordpress.com ) zahlreiche Stellen der Arbeit offengelegt, an denen die Ministerin plagiiert haben soll. Jetzt wird bekannt, dass auch ein Gutachter aus der Uni schwere Vorwürfe gegen Schavan erhebt, nachdem er die Arbeit eingehend geprüft hat.

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