Porträt : Ingrid Reisinger nimmt Abschied von der Charité

Bei Ingrid Reisingers Verabschiedung erinnerte Charité-Dekan Martin Paul daran, dass „Professor“ von „profiteri“, also „bekennen“, kommt. Öffentlich zu ihrer Meinung bekannt habe sich die Professorin immer wieder und konstruktive wie kritische Fragen gestellt. „So etwas brauchen wir.“

Fast ein halbes Jahrhundert gehörte Reisinger zur Charité. Erst als Studentin, dann als Ärztin und Wissenschaftlerin mit doppelter Spezialisierung in Kinderheilkunde und Nuklearmedizin, schließlich vor allem als Hochschulpolitikerin in vielen Gremien und Ämtern – und dann als Ärztliche Direktorin (1991–94) und Prodekanin für Studium und Lehre (1999–2004). Schon zu DDR-Zeiten sagte sie, was sie dachte, soweit das irgend möglich war. Und in den Jahren der Wende hat Reisinger zusammen mit Harald Mau entscheidend dazu beigetragen, die Charité zu erneuern, wie Charité-Chef Detlev Ganten hervorhob. Sie habe in all den emotionalen Diskussionen nie polarisiert, sondern immer für Ausgleich gesorgt, wie auch später in den schwierigen Fragen der hochschulmedizinischen Fusion.

An der Klinik für Nuklearmedizin war Ingrid Reisinger seit 1982 tätig, 1993/1994 als kommissarische, dann als stellvertretende Leiterin. In ihrer Abschiedsvorlesung skizzierte sie die Geschichte der medizinischen Anwendung radioaktiver Substanzen: von der anfangs strahlenschutzlosen Modetherapie – es gab sogar radiumhaltige Lebensmittel und Kosmetika – bis zur heute dominierenden Diagnostik. Moderne Apparate ermöglichen es inzwischen, die Vorteile der Röntgentechnik, der Radiologie, mit denen der Nuklearmedizin zu verbinden.

Radiologie und Nuklearmedizin bewegen sich also immer mehr aufeinander zu – und das war im Leben von Ingrid Reisinger schon sehr früh der Fall: Ihr Ehemann ist Radiologe. (R. St.)

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