Position : Der gute Dienst der Privathochschulen

Jede vierte Hochschule in Deutschland hat mittlerweile einen privaten Träger. Damit machen sie das Bildungssystem in Deutschland durchlässiger und eröffnen auch qualifizierten Studienbewerbern ohne Abitur den Zugang zum Studium.

Herbert Grüner
Herbert Grüner
Herbert GrünerFoto: promo

Private Hochschulen ziehen hierzulande leicht Kritik auf sich. Sie werden als Kaderschmieden der Geldelite diffamiert. Die Begründung ist dabei allerdings getrübt durch den idealisierten Blick auf die vermeintliche Selbstlosigkeit staatlicher Hochschulen und deren Akteure.

Fakt hingegen ist, dass inzwischen jede vierte Hochschule in Deutschland einen privaten Träger hat. Fakt ist ebenso, dass private Hochschulen gelegentlich aus Finanz- und/oder Qualitätsgründen vom Bildungsmarkt verschwinden. Das hat es aber auch bei staatlichen Hochschulen immer wieder gegeben und wird auch in Zukunft nicht zu vermeiden sein. Fakt ist schließlich, dass gerade einmal fünf Prozent aller Studierenden an privaten Hochschulen eingeschrieben sind. Damit sind sie eine Minderheit, zur Elite werden sie damit noch lange nicht.

Ganz im Gegenteil! Bereits an der Zusammensetzung der Studierendenschaft privater Hochschulen zeigt sich, dass private im Vergleich zu staatlichen Hochschulen deutlich erfolgreicher sind, wenn es darum geht, Bildungschancen und die Durchlässigkeit der Bildungssysteme zu erhöhen. Private eröffnen Möglichkeiten wo staatliche Hochschulzugänge verschlossen sind oder abschreckend wirken: Private Hochschulen bieten im großen Umfang qualifizierten Studienbewerbern auch ohne Abitur den Zugang zum Studium und nehmen dieser Gruppe die Schwellenangst vor akademischer Bildung, indem sie durch das Lehrangebot auf die Erfahrungen und Bedarfe dieser Zielgruppe eingehen. Private Hochschulen entwickeln darüber hinaus Angebote für qualifizierte Berufstätige, die sich berufsbegleitend und in Teilzeit akademisch weiterbilden wollen.

Den zunehmenden Forderungen nach mehr und gut akademisch ausgebildeten Fachleuten für anspruchsvolle Berufe werden die Privaten also in besonderer Weise gerecht! Sie tun es nicht zuletzt aus ihrer Verantwortung für die Weiterentwicklung unserer wissensbasierten Gesellschaft und Wirtschaft. Dass dafür Geld nötig ist, leugnen selbst die härtesten Staatshochschulverfechter nicht. Verwerflich scheint es diesen Personen nur zu sein, wenn der Nutzer der Bildungsleistung zahlt und nicht die „Allgemeinheit“ in Form des Steuerzahlers, unabhängig, ob dieser von der Leistung partizipiert oder nicht. Kritiker privater Hochschulen sehen nur bei diesen Geld als Anreiz und sie tun so, als ob Preismodelle im staatlichen Hochschulsystem (Geld für Studierende) nicht existierten. Ebenso unhinterfragt bleibt von ihnen die geübte Praxis staatlicher Hochschulen, Bezahl-Studiengänge zu Dumpingpreisen anzubieten, was nur durch Subventionen und vermutlich zulasten der grundständigen Lehre möglich ist.

Völlig unstrittig ist, dass Bildungsanstrengungen, insbesondere auch die Schaffung weiterer Studienplätze, zusätzlich finanzielle Mittel benötigen. Deshalb stellt die öffentliche Hand dafür auch weitere Gelder bereit. Warum sollen nicht alle Hochschulen, die den Aufbau weiterer Studienplätze betreiben, an einem fairen Wettbewerb um diese Mittel teilhaben können? Das hat nichts mit Subvention zu tun, sondern einzig mit der Schaffung gleicher Ausgangsbedingungen, eines fairen Qualitätswettbewerbs und der bestmöglichen Erreichung gesellschaftlicher Bildungsziele.

Ob es dazu nur der staatlichen Hochschulen mit lebenslang beamteten Hochschullehrern bedarf, kann getrost in Frage gestellt werden. Zur Beruhigung der Kritiker privater Hochschulen sei gesagt: Wer eine Hochschule auf die Idee gründet, eine Geldmaschine zu schaffen, wird in Deutschland mit seiner überwiegend staatlich finanzierten Hochschullandschaft sowieso scheitern.

Und das ist auch gut so! Denn das wirklich Schöne an (Hochschul-)Bildung ist, dass sie jeder nutzen kann, um klüger zu werden. Das sollte weder an die Trägerschaft der Bildungsinstitution gebunden sein, noch an den Geldbeutel des Studierenden!

Der Autor ist Rektor der staatlich anerkannten privaten bbw Hochschule in Berlin-Charlottenburg.

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