POSITION : Superforschung, Superlehre

Wissenschaftssenator Zöllner hat die richtige Diskussion angestoßen Von Swen Schulz

Eine Superuni für Berlin: Diese Idee finde ich gut! Das glauben Sie nicht? Wo doch die Kritik an dieser Initiative des Wissenschaftssenators Zöllner so schnell und hart aus den verschiedensten Richtungen kam. Wie kann man jetzt allen Ernstes noch dafür sein? Weil es eine beständige Aufgabe ist, die Wissenschaft in Berlin voranzubringen. Weil die Wissenschaft eine der wichtigsten Lebensadern der Stadt ist – ökonomisch und kulturell. Weil die Wissenschaft an Bedeutung noch gewinnen wird, gewinnen muss, wenn diese Stadt eine gute Zukunft haben will. Und weil mir gegen den Strich geht, dass eine Idee noch vor der eigentlichen Debatte abgemurkst wird, weil sie ideologisch nicht in den Kram passt oder institutionelle Eigeninteressen bedroht.

Zöllner will den Wissenschafts- und Forschungsstandort Berlin besser koordinieren, stärker internationalisieren und deutlicher präsentieren. Dafür schlägt er die Einrichtung eines „International Forum of Advanced Studies Berlin “ oder eines „International Free Humboldt Forum“ vor. Wichtiger als der Name ist der Ansatz: Wie in einer Nationalmannschaft sollen die weltweit besten Wissenschaftler an einem Ort zusammenarbeiten.

Berlin ist darauf angewiesen seine Wissenschaftslandschaft auf internationalem Spitzenniveau zu halten, und dort wo sie es nicht hat, dahin zu bringen. Das gilt für die Forschung, für den Wissenstransfer in Wirtschaft und Gesellschaft, das gilt ebenso für die Nachwuchsförderung. Berlin muss noch stärker als Wissenschaftsmetropole internationale Ausstrahlung haben. Berlin muss the place to be für Wissenschaftler, für Kreative, Intellektuelle, Unternehmer sein. Das geht nicht ohne institutionelle Ausgestaltung.

Nun kann und will ich nicht jede Kritik an Zöllners Konzept einfach wegwischen. Im Gegenteil halte ich einige Bedenken für sehr begründet. Zunächst etwas ganz Praktisches: Es spricht einiges dafür, den Universitäten nach der Unruhe, die der Exzellenzwettbewerb gebracht hat, jetzt eine Phase der Konsolidierung zu gönnen. Die sollten einfach mal in Ruhe arbeiten können. Darüber hinaus muss abgewogen werden, was mit der Marke „Superuni“ gewonnen wird und dann auch positiv auf die Mutterinstitutionen TU, FU, HU und UdK ausstrahlt, oder ob sie zu einem Identitätsverlust der vier Universitäten kommen würde.

Das führt zur aus meiner Sicht wichtigsten Überlegung. Besiegeln wir mit dem Zöllner-Projekt die Zweiklassenwissenschaft? Hier die exzellente Spitzenwissenschaft, mit viel Geld ausgestattet für vornehmlich wirtschaftlich verwertbare Forschung mit extrem verknappten Master- und Graduiertenplätzen – und dort die Lehranstalt, auf die Verwaltung der schäbigen Masse der Studierenden gepolt?

Das ist ein echtes Problem. Mit der Exzellenzinitiative haben Bund und Länder viel für die Spitzenforschung an den Unis getan. Das ist gut und richtig, ich bin auch für eine Fortsetzung der Initiative. Aber nur unter der Bedingung, dass wir entschieden mehr für die Lehre tun. Und zwar nicht nur im Sinne eines Wettbewerbes für einige Fachbereiche, und auch nicht nur, indem für den erwarteten Andrang von Studierenden in den nächsten Jahren mit Müh und Not übergangsweise Kapazitäten geschaffen werden. Ich meine echte qualitative Verbesserungen, die Reduzierung der Abbrecherquoten durch mehr Professuren, bessere Beratung, Betreuung und Unterstützung. Zur exzellenten, international ausstrahlenden Wissenschaftslandschaft Berlin gehört eben nicht nur Spitzenforschung, sondern auch Spitzenlehre – für alle!

Zöllner hat die richtige Diskussion angestoßen. Die Beteiligten sollten den Ball aufgreifen und mutig nach vorne spielen, damit wir beides schaffen: die Fortentwicklung und Stärkung der Forschung ebenso wie mutige Maßnahmen zur Verbesserung der Lehre.

Der Autor ist Mitglied im Bildungsausschuss des Bundestages und Sprecher der Berliner SPD-Abgeordneten.

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