Wissen : Potsdams Präsidentin auf dem Sprung Sabine Kunst steht an der Uni Leipzig zur Wahl

Jan Kixmüller
Foto: promo
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Sehr entspannt eröffnete die Potsdamer Uni-Präsidentin Sabine Kunst zu Wochenbeginn den Empfang für 41 neu berufene Professoren ihrer Universität. Nichts deutete darauf hin, dass Kunst in einigen Wochen Brandenburgs größte Hochschule verlassen könnte. Doch jetzt wurde bekannt, dass sie zu den beiden nominierten Kandidatinnen für die Rektorwahl der Universität Leipzig am 16. November gehört.

Sie habe sich nicht um die Nominierung beworben, sagte die Präsidentin am Rande des Empfangs auf Anfrage. Sie sei gefragt worden. Das sei ihr wichtig: „Ich bin nicht auf der Flucht.“ Sie sei seit ihrem Amtsantritt 2007 sehr gut im Kollegium aufgenommen worden, die Potsdamer Hochschule sei eine „tolle Universität“. Dass man sie nun aus Leipzig angefragt hat, sieht sie vielmehr als eine Würdigung für die Umstrukturierung der Potsdamer Universität. „Der Erfolg unserer gemeinsamen Arbeit hat sich weit über Brandenburg hinaus herumgesprochen.“

Doch ganz unbelastet ist ihre Aufgabe in Potsdam derzeit nicht. Unlängst hat das Land Rücklagen der Universität in Höhe von 4,5 Millionen Euro gesperrt. Dabei habe die Hochschule die Rücklagen bereits komplett verplant, kritisierte Kunst. Die Kürzung schmerzte umso mehr, als Kunst die Drittmitteleinwerbung stark erhöht und eine Humboldt-Professur für die Universität gewonnen hatte. Kunst warnte, dass sie durch die Kürzungen die Potsdamer Hochschule in ihrer Entwicklung gefährdet sieht. Zudem gibt es Gegenwind von Professoren, vor allem von Geistes- und Erziehungswissenschaftlern, die sich gegenüber den Naturwissenschaftlern benachteiligt sehen.

Kunst hätte also durchaus Gründe, einen Wechsel vor dem Ende ihrer Potsdamer Amtszeit im Dezember 2012 anzustreben. Zumal die Führung der Universität Leipzig, einer der großen deutschen Hochschulen mit langer Tradition, ein weiterer Aufstieg für Kunst wäre. Ihrer dortigen Gegenkandidatin, der Medizinerin Beate A. Schücking, hat sie voraus, dass sie bereits eine Hochschule leitet.

Bei ihrem Antritt als Präsidentin der Potsdamer Universität hatte Sabine Kunst Wert darauf gelegt, dass sie sich als Hochschulmanagerin versteht. Organisieren, strukturieren, aufbauen und vor allem weiterkommen wollte sie. Das ist in Leipzig nun wieder gefragt. Dass sie auch mehrere große Schiffe steuern kann, hatte sie in diesem Sommer gezeigt, als sie zur ehrenamtlichen Präsidentin der weltweit größten akademischen Austauschorganisation, dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), gewählt wurde – neben ihren Aufgaben in Potsdam. Da Kunst die Potsdamer Universität abgesehen von der öffentlichen Finanzierung sehr gut aufgestellt sieht, könnte es nun ins Bild passen, dass sie eine neue Aufgabe sucht. Jan Kixmüller

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