Präsidentenwahl an der TU Berlin : Eine Frage des Stils

Die TU Berlin wählt einen Präsidenten. Für den Amtsinhaber Jörg Steinbach scheint es eng zu werden. Für viele Uni-Angehörige geht es nicht so sehr um Inhalte, sondern um die Persönlichkeit der Kandidaten.

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Studenten vor der TU Berlin
Im Gespräch. Studierende vor der Technischen Universität Berlin.Foto: Ulrich Dahl/Technische Universität

„TU = Technisch Unmöglich“ hat jemand an eine Tür der heruntergekommenen Toiletten im Hauptgebäude der TU Berlin geschrieben. An der TU ist das ein beliebter Kalauer unter Studierenden wie unter Professoren, wenn sie sich von der Verwaltung im Stich gelassen fühlen oder sich vergeblich ein modernes Labor wünschen. Das TU-Bonmot fällt aber nur intern. Denn es gibt ja auch die andere TU, auf die die Uni-Angehörigen stolz sind: nämlich die TU, deren U für „Unaufhaltsam“ steht, die leistungsstarke Forscherinnen und Forscher hat – was sich bei allen finanziellen Schwierigkeiten neuerdings auch wieder in den Statistiken zeigt. Wohin TU? Am Mittwoch wählt die Uni einen Präsidenten.

Seit vier Jahren regiert der Prozesswissenschaftler Jörg Steinbach, er will weitermachen. Sein Gegenkandidat ist der Physiker Christian Thomsen, Dekan der einflussreichen mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät. Das Rennen gilt als offen. Aus Sicht vieler Uni-Angehöriger geht es bei der Wahl nicht so sehr um die inhaltliche Richtung: „Abgestimmt wird über die Persönlichkeit“, sagt ein Professor. Steinbach steht in der Kritik.

Der Präsident reagiert bei Konflikten oft gekränkt, wird berichtet

Gut aufgelegt ist er ein zugewandter Gesprächspartner, der sein Gegenüber beim Erklären kumpelhaft duzt: „Du hast hier 80 Prozent Kapazität im Bachelor…“. Steinbachs andere Seite hat ihm an der TU Antipathien eingebracht. Der Präsident kanzle andere in schroffem Ton ab. Vielfach wird berichtet, Steinbach reagiere in Konflikten schnell gekränkt – und bleibe allzu lange gekränkt. Auch regiere er an den Zuständigen vorbei in die Uni hinein. Läuft es für Steinbach schlecht, könnte ihn sein Stil das Amt kosten. Denn die äußere Bilanz ist ja gut.

„Die TU hat in der Außenwahrnehmung noch nie so gut dagestanden wie heute“, hat Steinbach im Dezember im Kuratorium der TU sogar formuliert. Die Kuratoriumsmitglieder, darunter die Vorsitzende Rita Süssmuth und Gesine Schwan, bekamen von Steinbach eine Leistungsshow über die vergangenen vier Jahre vorgeführt: In seiner Amtszeit haben TU-Forscher die Summe der eingeworbenen Forschungsmittel um 35 Millionen Euro gesteigert, 2012 lagen die Drittmittel bei fast 160 Millionen Euro. Hatte die TU Anfang 2010 nur drei Sonderforschungsbereiche, sind es inzwischen sieben. Immer mehr Geld kommt aus den prestigeträchtigen Töpfen der DFG.

Auf ihrem Campus in Charlottenburg führt die TU einen Häuserkampf

Alle Berliner Hochschulen leiden unter dem dramatischen Investitionsstau beim Bau und der Ausstattung. Auf ihrem Campus in Charlottenburg führt die TU einen Häuserkampf. Geglückt ist die Zusage für ein neues Mathegebäude in der Fasanenstraße. Das Riesenradareal am Zoo wäre ein wichtiger Schritt, doch der Finanzsenator sperrt sich. Als „Coup“, den die Uni seinem Verhandlungsgeschick verdankt, hat Steinbach die Zusage für zusätzliche 8000 Quadratmeter in der Weddinger Seestraße bezeichnet.

In den Augen von Steinbachs Unterstützern spricht die Bilanz für den Amtsinhaber. „Die TU kommt gut voran“, sagt der Mathematiker Rolf Möhring, Sprecher der „Initiative Unabhängige Politik (IUP)“, einer Liste konservativer Professoren im Akademischen Senat, der Steinbach inzwischen angehört. „Der Schwung wäre womöglich vorbei, wenn sich ein neuer Präsident erst einmal einarbeiten muss.“ Wie Möhrings IUP denken auch die Professoren der gleichfalls eher konservativen „Fakultätsliste“ um die Informatikerin und Leibniz-Preisträgerin Anja Feldmann.

Steinbach hat damit ehemalige Gegner um sich geschart: Bei der letzten Wahl hatten beide Gruppen noch gegen ihn gestimmt. Manchen Professoren schien Steinbach nicht elitär genug – weshalb auch das Kuratorium damals nicht ihn, sondern nur seinen Gegenkandidaten Martin Grötschel zur Wahl empfohlen hatte. Andere Professoren gaben Steinbach die Schuld für den schweren Konflikt mit seinem Amtsvorgänger Kurt Kutzler und der Kanzlerin der TU. Qua seines Amtes als Vizepräsident hatte Steinbach im Auftrag der Senatsverwaltung ein Disziplinarverfahren gegen beide zu leiten, der Rechnungshof hatte Ausgabepraktiken an der TU bemängelt.

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