Präsidentenwahl : Drei für die FU

Der Germanist Peter-André Alt bleibt Favorit auf das Amt des Präsidenten der Freien Universität. Aber die Uni will auch zwei andere Anwärter hören.

Amory Burchard/Tilmann Warnecke

Wer wird neuer Präsident der Freien Universität Berlin? Nach vertraulichen Sitzungen des Kuratoriums und des Akademischen Senats der Hochschule wurde am gestrigen Mittwoch eine Vorentscheidung getroffen. Drei Bewerber um das Amt, der FU-Germanist Peter-André Alt, der FU-Informatiker Raúl Rojas und die Politologin Christiane Lemke von der Universität Hannover, stünden nach der Diskussion der Bewerbungen zur Auswahl, war am Abend aus Gremienkreisen zu erfahren. Sie sollen sich am 31. März beiden Gremien vorstellen. Erst danach werden die offiziellen Kandidaten nominiert.

Als Favorit gilt der 49-jährige Peter-André Alt, der wie berichtet bereits zuvor als aussichtsreichster Anwärter gehandelt wurde. Alt, der das Graduiertenzentrum der FU leitet, hat dem Vernehmen nach sein Wahlprogramm bereits den drei hochschulpolitischen Gruppierungen im Akademischen Senat vorgestellt – bei Treffen mit Vertretern der Vereinten Mitte, der Alt selber angehört, dem eher linksgerichteten Dienstagskreis und der konservativen Liberalen Aktion. Dabei soll Alt dafür geworben haben, bei allen Planungen für die erneute Bewerbung der FU um den Status als Exzellenzuniversität „alle Gruppen der Uni mitzunehmen“.

Künftig müsse es im Zukunftskonzept, mit dem sich die FU erneut bewirbt, eine gute Mischung aus Forschungs- und Lehrimpulsen geben. Bei der gestrigen Sitzung des Akademischen Senats war Alt, der dem Gremium angehört, nicht anwesend.

Die beiden anderen Bewerber hätten lediglich Außenseiterchancen, hieß es. Die Hannoveraner Politikwissenschaftlerin Christiane Lemke (Jahrgang 1951) hat zwischen 2006 und 2007 die Verwaltung des niedersächsischen Landtages geleitet. Raúl Rojas (54) ist Professor für Künstliche Intelligenz an der FU. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde er durch seine Fußballroboter bekannt, die er gemeinsam mit Studierenden entwickelte. Unter den internationalen Bewerbern soll zunächst der ehemalige niederländische Bildungsminister Jo Ritzen (64), amtierender Rektor der Uni Maastricht, gewesen sein. Ritzen habe seine Bewerbung jedoch im letzten Moment zurückgezogen, hieß es.

Insgesamt 14 Bewerbungen seien in den vergangenen Wochen an der FU eingegangen. Die Unterlagen wurden von einer gemeinsamen Arbeitsgruppe des Kuratoriums und des Akademischen Senats gesichtet, gänzlich ungeeignete Bewerber bereits vor der gestrigen Vorentscheidung aussortiert. Vor allem der Akademische Senat soll darauf gedrängt haben, neben dem Favoriten Alt am 31. März weitere Anwärter zu hören, um dem Vorwurf vorzubeugen, man habe respektable Kandidaten zu früh aus dem Rennen geworfen.

Womöglich hat das komplizierte mehrstufige Auswahlverfahren weitere hochkarätige externe Bewerber abgeschreckt. Denn welcher renommierte Forscher oder Rektor einer anderen Uni will sich schon der Gefahr aussetzen, bereits nach dem Vorsingen auszuscheiden? Bewerber von außen dürften bei einem solchen frühen Scheitern auch an ihrer Heimat-Hochschule beschädigt sein.

Bei der offiziellen Kandidatenkür haben beide Unigremien ein eigenständiges Vorschlagsrecht. Die Wahl selbst findet am 12. Mai statt. Gewählt werden der Präsident – und der Erste Vizepräsident – vom erweiterten Akademischen Senat, in dem 61 Universitätsmitglieder sitzen. Sollte im ersten Wahlgang kein Kandidat die absolute Mehrheit von 31 Stimmen erhalten, findet am 19. Mai ein zweiter Wahlgang statt, notfalls auch ein dritter am 26. Mai. Bei diesem letzten möglichen Termin würde die einfache Mehrheit für die Wahl reichen.

Der bisherige FU-Präsident Dieter Lenzen war im Herbst vergangenen Jahres überraschend zum Präsidenten der Uni Hamburg gewählt worden und hat sein neues Amt am 1. März angetreten. Amory Burchard/Tilmann Warnecke

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