Praxishandbuch Influenza : Der schnelle Blick

Ein Buch verrät, wie man Grippe frühzeitig erkennt

Auch Ärzte unterschätzen die Gefahr: Die „echte Grippe“ ist heute noch die gefährlichste Atemwegserkrankung und die Virusinfektion mit den meisten und heftigsten Komplikationen. Während der jährlichen Epidemien sterben weltweit bis zu einer halben Million Menschen an der Influenza. Laut Robert-Koch-Institut gab es im Winter 2002/2003 in Deutschland rund 15 000 Todesopfer.

Falsch ist die Vorstellung, nur bei Menschen mit Risikofaktoren, Alten und chronisch Kranken könne es zu einem schweren Krankheitsverlauf kommen. Der Münchner Internist Georg Vogel sieht in diesem Fehlurteil einen Grund, warum die Grippeschutzimpfung „völlig unzureichend genutzt“ wird. Höchst gefährlich seien Vorstellungen nach dem Motto, dass Infektionen „natürlich durchlaufen“ werden sollten, weil sie die Körperabwehr stärkten.

Vogels „Praxishandbuch Influenza“ richtet sich vor allem an Allgemeinmediziner, denen nicht selten grundlegendes Wissen zu fehlen scheint. Es ist aber auch für Laien nicht nur verständlich geschrieben, sondern bietet auch Tipps, mit denen der Patient seinen Hausarzt „unterstützen“ kann. Die zentrale Botschaft: Es gibt einen – viel zu wenig bekannten und angewandten – Schnelltest und antivirale Medikamente, mit denen lebensbedrohliche Krankheitsverläufe ebenso vermieden werden können wie Spätschäden.

Der erfahrene Professor mit eigener Arztpraxis weist darauf hin, dass die „Blickdiagnose“ in Vergessenheit geraten ist. Das Buch zeigt Zeichnungen und Fotos vom „Grippegesicht“, das erste, deutliche Hinweise biete, dass es sich eben nicht um eine banale Erkältung handelt. Deshalb verbiete sich für den Arzt eine telefonische Diagnose. Weitere Unterschiede: Bei Grippe treten Unwohlsein und Abgeschlagenheit „wie aus dem Nichts“ auf. Die Krankheit ist meist mit hohem Fieber, Frösteln oder Schweißausbrüchen, Muskel- und starken Kopfschmerzen verbunden. Die Patienten sind häufig licht- und geräuschempfindlich. Dagegen tritt Schnupfen – anders als bei der Erkältung – nur selten und milde auf.

Der Schnelltest ist einfach anzuwenden und das Ergebnis liegt innerhalb einer Viertelstunde vor. Er ist zwar nicht hundertprozentig sicher, hat aber große Vorteile. Nur in den ersten ein bis zwei Tagen hilft nämlich die antivirale Therapie. Ferner fordert Vogel, sehr frühzeitig einen Labortest auf eine bakterielle Superinfektion zu machen – letztlich würden dadurch überflüssige Antibiotika-Einnahmen verringert. (jew)

Georg E. Vogel, Praxishandbuch Influenza – verstehen, vorbeugen, erkennen und behandeln, Thieme Verlag 2008, 120 Seiten, 4,95 Euro.

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