Preisgekrönt : Ein Telefon, das Rücksicht nimmt

Wissenschaftspreis geht an Berliner Designforscherin.

Ralf Nestler
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Gesche Joost

Gesche Joost, Juniorprofessorin an der Technischen Universität Berlin (TU), erhält den Nachwuchspreis 2008. Die mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung ist Teil des Berliner Wissenschaftspreises, der am Mittwoch erstmals vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) vergeben wird. Der Hauptpreis geht, wie berichtet, an den Mathematiker Martin Grötschel.

Gesche Joost leitet seit 2006 das Design Research Lab der Deutsche Telekom Laboratories, eines An-Instituts der TU. Gemeinsam mit sechs Mitarbeitern erforscht sie, wie Kommunikation besser auf die Bedürfnisse der Nutzer ausgerichtet werden kann. So haben die Forscher beispielsweise ein Telefon für Senioren entwickelt. „Eine umfassende Befragung hat gezeigt, dass es nicht allein genügt, die Tasten zu vergrößern“, sagt Joost. Das neue Gerät hat deshalb auch eine vereinfachte Menüführung, Tasten zum Ändern der Lautstärke während des Gesprächs und ein schlichtes Design. Das Telefon gefiel der 34-Jährigen so gut, dass sie es auch privat benutzt. Seit Oktober ist es im Handel erhältlich.

„Gesche Joost hat gezeigt, wie wissenschaftliche Arbeit zu praktischen Anwendungen führen kann“, sagte Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD), Vorsitzender der achtköpfigen Jury. „Bei dem Preis geht es aber auch um eine Signalwirkung nach außen; zu zeigen, was am Wissenschaftsstandort Berlin möglich ist.“

Dieses Ziel dürfte Martin Grötschel sicher erfüllen. Der 60-jährige Mathematiker bekommt den eigentlichen „Hauptpreis“, der mit 40 000 Euro dotiert ist. Der TU-Professor und Vizepräsident des Konrad-Zuse-Zentrums für Informationstechnologie wird für die vielen Verbesserungen komplexer Systeme ausgezeichnet, die ihm und seiner Arbeitsgruppe gelungen sind. Dazu gehört etwa die Organisation des Nahverkehrs in Berlin, Bielefeld und – aktuell – in Potsdam.

Im Gegensatz zu Joost, die ihr Preisgeld persönlich nutzen kann, muss Grötschel seine Summe an die Einrichtung weitergeben, die das Umfeld für seine Arbeit geschaffen hat. Ralf Nestler

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