Wissen : Preußens Ägypten

Material zur Expedition von 1842 in Berlin zu sehen

Michael Zajonz

Beduinen trugen die Mitglieder der preußischen Forschungsexpedition in Windeseile auf die Spitze der Cheopspyramide. Dort oben wurde am 15. Oktober 1842 zum 47. Geburtstag von Friedrich Wilhelm IV. der Preußenadler aufgepflanzt. Patriotische Trinksprüche erklangen. Die Forscher feierten ihren König, der die Erkundung der Altertümer Ägyptens durch diplomatische Rückendeckung und finanzielle Unterstützung ermöglicht hatte.

Bis 1845 war die Ägyptenexpedition unter der Leitung von Richard Lepsius unterwegs – bis in die nubische Wüste. Ab 1849 gab Lepsius in Berlin die „Denkmaeler aus Aegypten und Aethiopien“ heraus. Viele der erstmals in Wort und Bild dargestellten Monumente und Inschriften sind zerstört oder so beschädigt, dass die Bauaufnahmen der Preußen von größtem Wert für die Forschung geblieben sind. Die Großfoliobände der „Denkmaeler“ stehen nun auch am Anfang der Ausstellung „Preußen in Ägypten – Ägypten in Preußen“ der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften im Berliner Museum für Islamische Kunst, das im Pergamonmuseum beheimatet ist.

Das Quellenmaterial zur Expedition liegt in Berlin: Zeichnungen, Bauaufnahmen und Papierabklatsche von Inschriften bei der Akademie; Tagebücher, Notizen und Briefe im Ägyptischen Museum. Seit einigen Jahren sind die Ägyptologen der Akademie damit beschäftigt, die Notizen des Expeditionsteilnehmers und -architekten Georg Erbkam zu transkribieren und auszuwerten. Das Bild des archäologischen Pionierunternehmens gewinnt damit auch wissenschaftlich deutlich an Tiefenschärfe.

Vor einem Jahr hat Kuratorin Agnete von Specht im Auftrag der Staatlichen Museen zu Berlin die Hinterlassenschaften der Expedition in einer kleinen, feinen Ausstellung im Ägyptischen Museum in Kairo vorgestellt. Und damit bewiesen, wie lebendig Wissenschaftsgeschichte im Museum sein kann. Nun zeigt die Berliner Akademie den Fundus, mit Leihgaben der Staatlichen Museen. Die Ausstellung zeige, erklärte der Direktor des Museums für Islamische Kunst Claus-Peter Hase ironisch, „die Handschrift der Akademie“. Und die ist leider nahezu unleserlich. Da es keine erkennbare Ausstellungsgestaltung gibt, darf bezweifelt werden, ob die meisten Besucher die über den gesamten Rundgang des Islam-Museums verteilten Lepsius-Vitrinen überhaupt als eigene Ausstellung wahrnehmen werden. Einen Katalog gibt es ebenso wenig wie durchgängige Raumtexte. Dabei wären die neuen Erkenntnisse, etwa über kulturelle Hintergründe und Freizeitinteressen der Expeditionsteilnehmer, durchaus erzählenswert.Michael Zajonz

Museum für Islamische Kunst im Pergamonmuseum, bis 3. Februar.

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