Wissen : Professoren streiten – für ihre Freiheit

Daniel Solfrian

Horst Bredekamp studierte vier Semester lang ziellos. Von dieser Freiheit zehrt er bis heute, sagt der Professor für Kunstgeschichte an der Humboldt-Universität. Winfried Menninghaus, Literaturwissenschaftler an der Freien Universität, entschied sich nach einer persönlichen Krise, jene Fächer zu studieren, in denen er die schlechtesten Abiturnoten hatte. Heute ist er Leiter des Exzellenzclusters „Languages of Emotion“. Bekenntnisse zweier Professoren auf die Frage „Wo soll es hingehen?“ beim ersten von vier Streitgesprächen, zu denen die HU anlässlich ihres 200. Gründungsjubiläums einlädt.

Man will sich auf die Suche begeben nach den Zukunftsthemen der Wissenschaft. Die Freiheit, da waren sich die Forscher auf dem Podium im vollbesetzten Senatssaal der HU schnell einig, ist die wichtigste Währung in der Wissenschaft. Nicht Geld fehlt, sondern Zeit zu forschen. Alle nicken, darüber kann man sich unter Professoren kaum streiten.

RBB-Moderator Jörg Thadeusz versucht zu provozieren und fragt Klimaforscher Ottmar Edenhofer, warum man ausgerechnet ihm 10 Millionen Euro geben sollte. Er würde das Geld auf mehrere Forschungsgebiete verteilen, sagt Edenhofer. Überhaupt sei es die wichtigste Aufgabe der Wissenschaft, der Gesellschaft immer mehrere Möglichkeiten anzubieten. „Wissenschaftler entziehen sich aber oft der öffentlichen Debatte, da sie so auftreten, als hätten sie den Stein der Weisen in der Hand“, kritisiert Tissy Bruns, Chefkorrespondentin des Tagesspiegels.

Einmütig verdammt wird dann wieder die Praxis, die Leistung eines Professors an eingeworbenen Forschungsgeldern, der Zahl der Publikationen und Absolventen zu messen. Das sei verfehlt und qualitätsschädigend, sagt Menninghaus. Noch sei Deutschland international nicht konkurrenzfähig im Wettlauf um die besten Wissenschaftler. Am 29. April wird die Gesprächsreihe fortgesetzt. „Wie sollen wir arbeiten?“, lautet die Frage dann. Es geht um Methoden wissenschaftlichen Arbeitens. Die Freiheit als höchstes Gut ist schon mal gesetzt. Daniel Solfrian

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