Programme für "Kleine Fächer" : Sie wollen mehr als Orchideen sein

Das Bundesforschungsministerium und die HRK feiern ein neues Stipendien-Programm für die „Kleinen Fächer“. Die überreichten Orchideen gefielen aber nicht allen.

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Archäologen sind bei einer Grabung zu sehen.
Kleines Fach? Auch gegen diese Bezeichnung wehren sich etwa Archäologen - wenngleich sie technisch richtig ist.Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Auf der Bühne des Harnack-Hauses in Dahlem überreicht eine Abteilungsleiterin des Bundesforschungsministeriums Orchideen an Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler. Die nehmen die in knisterndes Plastik eingeschweißten Blumen lächelnd entgegen. Die Geste ist der offizielle Glückwunsch für gut dotierte Forschungsstipendien, mit denen die zehn Sprachwissenschaftler, Judaistinnen, Bauhistoriker und Filmwissenschaftlerinnen ausgezeichnet wurden. Sie ermöglichen ihnen, drei Jahre lang mit je 100 000 Euro für’s eigene Gehalt, für Recherchereisen und für eine wissenschaftliche Hilfskraft an ihrer Habilitation oder an anderen Publikationen zu arbeiten.

Forschungsstark und international vernetzt

Insgesamt fördert das BMBF im 2016 aufgelegten Programm „Kleine Fächer – große Potenziale“ 14 Postdocs, in diesem und im kommenden Jahr soll es weitere Ausschreibungen geben. Mit den Stipendien wird die Bedeutung der Fächer gewürdigt, die zwar nur von wenigen Professuren an wenigen Unis vertreten, aber doch enorm wichtig etwa für die Erforschung des kulturellen Erbes sind. Im Harnack-Haus der Max-Planck-Gesellschaft widmeten ihnen das BMBF und die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) am Montag eine Tagung, bei der es unter anderem um die Forschungs- und Drittmittelstärke sowie um die Internationalisierung der „Kleinen Fächer“ ging.

In allen drei Bereichen attestiert ihnen eine Studie der Arbeitsstelle „Kleine Fächer“ an der Universität gute Ergebnisse. So konnten mehr als ein Drittel der an einer Online-Befragung aller Professuren Beteiligten in den vergangenen drei Jahren jeweils zehn oder mehr internationale Publikationen und Konferenzbeiträge vorweisen. Bei mehr als 40 Prozent waren es vier bis neun. Nur zwei Prozent hatten nicht international publiziert oder vorgetragen.

Kritisiert wird, dass die breit angelegten thematischen Schwerpunkte der EU-Forschungsförderung den spezialisierten Fragestellungen der Fächer oft nicht gerecht werden. Die Mainzer Arbeitsstelle empfiehlt deshalb, diversifizierte und flexible Förderinstrumente einzuführen. Ein erster Schritt könnte eine EU-weite Kartierung der „Kleinen Fächer“ sein. Über ein solches Projekt, das auf einem 2007 von der HRK initiierten deutschen Überblick basieren soll, berichtete HRK-Chef Horst Hippler.

Orchideen? Das erkläre die Fächer zu entbehrlichem Luxus

Für Ministerin Johanna Wanka (CDU) lag es auf der Hand, den ausgezeichneten Nachwuchsforschenden Orchideen überreichen zu lassen, gelten doch die „Kleinen Fächer“ zugleich als „Orchideenfächer“. „Eine treffende Bezeichnung“, wie Wanka sagte, die Blumen und die Fächer seien gleichermaßen „wunderschön, äußerst robust und widerstandsfähig“. Doch im Saal waren viele irritiert. Der Begriff „Orchideen“ exotisiere die Fächer und erkläre sie letztlich zu entbehrlichem Luxus, war zu hören. Auch „Kleine Fächer“ sei nur für wenige wirklich winzige Bereiche zutreffend.

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