Wissen : Proteste gegen Gebühren

Überfüllte Hörsäle – Boykott im Südwesten geplant

Frank van Bebber

Der Widerstand gegen die Studiengebühren in Baden-Württemberg hält an. An der Uni Heidelberg verweigerten die Studenten diese Woche die Teilnahme an der Studiengebühren-Kommission des Senats. Die versprochene Chance zur Mitsprache habe es nicht gegeben, sagt Sven Lehmann von der Fachschaftskonferenz. Häufig hätten die Studenten erst in der Sitzung von Absprachen erfahren.

„Die inhaltliche Arbeit wurde geblockt“, erklärt Lehmann. In unhöflicher Atmosphäre seien Anträge durchgewunken worden. Neuer Frust und Protest wird zum Start des zweiten kostenpflichtigen Semesters auch aus anderen Hochschulen gemeldet. Als Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) Ende vergangener Woche an der frisch gekürten Eliteuni Konstanz einen Festvortrag hielt, empfingen sie Uni-Studenten mit einem Transparent: „Freie Bildung für alle.“ Bis Ende des Semesters sollen die Studenten in einer Urabstimmung über einen Boykott der 500-Euro-Gebühr entscheiden. „Wir gehen davon aus, dass die Mehrheit gegen Gebühren ist“, sagt Matthias Burkhardt vom Asta. Schon in zwei Wochen wollen die Studentenvertreter der Pädagogischen Hochschule Freiburg ihre Kommilitonen zum Boykott bewegen.

Im Sommer waren solche Aktionen mangels Teilnahme gescheitert. Nun rechnen sich Studentensprecher der PH bessere Chancen aus, „weil sich nichts an den Studienbedingungen verbessert hat“. Weiter würden Studenten aus überfüllten Seminaren geworfen. Die Folge sei ein längeres Studium, sagt Sprecher Matthias Schweizer. „Da helfen auch nicht mehr Bücher und Flachbildschirme im Computerraum.“ Bestärkt fühlen sich die Protestler von Zuständen wie an der Uni Hohenheim. Hier waren Hörsäle zum Semesterstart so überfüllt, dass Dozenten aus Vorschriften für den Brandschutz vorlasen und die Gänge räumen ließen. Das Wissenschaftsministerium wartet indes auf den Bericht eines Monitoring-Beirats für die Studiengebühren, der 2008 vorlegt werden soll. Ein Sprecher des Ministeriums äußerte sich aber zuversichtlich über die Akzeptanz der Studiengebühren: „Die Vorteile werden zunehmend erkannt.“ Frank van Bebber

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