Prothesen : „Unabhängige Kontrolle ist nötig“

Register sichern Qualität, sagt der Internist Karl-Ludwig Schulte.

Aufgrund des Berliner Skandals um falsch eingebaute Kniegelenke wird nun ein Prothesenregister gefordert. Sie betreiben bereits seit zwei Jahren ein Register für Gefäßeingriffe mit Ballonkathetern und Stentprothe

sen. Was hat Sie dazu bewogen?

Bei vielen Produkten, die beim Menschen eingesetzt werden, weiß man nicht, wie sich diese Fremdmaterialien über längere Zeit im Körper verhalten. Zwar hat die Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung (BQS) im Auftrag der Ärzte und Krankenkassen (gemeinsamer Bundesausschuss) schon vor Jahren einige Register aufgelegt, zum Beispiel für Eingriffe an der Halsschlagader und für solche mit Stents, speziellen Gefäßstützen und Prothesen. Das Problem mit diesen Daten war für mich, dass ihre Richtigkeit nicht überprüft wurde. Außerdem wurden die Informationen nur kurzzeitig erhoben, also während des Krankenhausaufenthalts. Wir wissen nicht, wie es dem Patienten weiter ergeht. Das war für uns Anlass, ein Register für gefäßmedizinische Eingriffe mit Gefäßprothesen einzurichten, das die Behandlung längerfristig überwacht.

Was sind Ihre Erfahrungen?

Das Register besteht jetzt zwei Jahre, es wurden 2000 Eingriffe erfasst. Alle Eingriffe, die Durchblutungsstörungen an Becken und Beinen betrafen, konnten gemeldet werden. Der Unterschied zu den anderen Registern ist eben, dass wir erneute Reparatureingriffe, Brüche von Gefäßstützen oder Gefäßverschlüsse ebenfalls erfassen, ebenso die Produkte. Man kann analysieren, welche Unterschiede es zwischen den Firmenprodukten gibt.

Haben Sie schon Ergebnisse?

Über die Behandlungsqualität können wir leider noch nichts sagen.

Soll das Register länger als zwei Jahre laufen?

Das hoffe ich. Ich hoffe auch, dass das eine Anregung für die BQS ist. Auch dort wird ja diskutiert, Daten aus der ambulanten Behandlung einzubeziehen, den Wahrheitsgehalt der Informationen besser zu kontrollieren und längerfristig die Behandlungsqualität zu überwachen. Ereignisse wie jetzt die Probleme im Berliner Hedwigs-Krankenhaus zeigen auch der Industrie, dass sie handeln muss. Ein Prothesenregister ist wirklich ein Muss. Es geht darum, die Qualität im weiteren Verlauf nach einer Operation zu kontrollieren. Die Datenqualität muss dabei unabhängig stichprobenartig kontrolliert werden. Es kann einfach nicht sein, dass die Komplikationen bei einer Operation null Prozent betragen, wie manche Kliniken an die BQS berichten.

Das Gespräch führte Hartmut Wewetzer.

KARL-LUDWIG SCHULTE ist Gefäßspezialist am Krankenhaus Königin-Elisabeth-Herzberge in Berlin. Er hat ein bundesweites Register für gefäßmedizinische Eingriffe eingeführt.

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