Psychologie : Babies können nette von unfreundlichen Charakteren unterscheiden

Kinder im Alter von sechs Monaten bevorzugen hilfsbereite Charaktere.

Michael Hopkin

Man mag sich über vernarrte Eltern lustig machen, die erzählen, ihr Kind, obwohl noch in den Windeln, würde sich auf Anhieb zu gutherzigen Menschen hingezogen fühlen und weniger herzliche Charaktere verschmähen. Ein neues Experiment zeigt jedoch, dass solche Behauptungen mehr sein könnten als elterlicher Stolz. Babies, so scheint es, besitzen mehr soziale Intelligenz, als wir ihnen zugestehen.

Forschungen unter der Leitung von Kiley Hamlin an der Yale University in New Haven, Connecticut, zeigen, dass Babies, die jünger als ein Jahr sind, die Nettigkeit oder Garstigkeit anderer beurteilen könne, selbst wenn sie Ereignisse beobachten, die sie nicht direkt betreffen. Die Wissenschaftler machten diese Entdeckung, ohne mehr Hightech als ein simples Figurenspiel zu verwenden.

Nachdem sie das Puppenspiel gesehen hatten, bevorzugten die Babies im Alter von sechs und zehn Monaten instinktiv die "netten" Charaktere gegenüber weniger hilfsbereiten. Diese Fähigkeit könnte ihnen dabei helfen, die richtigen Werte zu lernen, da sich ihr soziales Bewusstsein erst in der späteren Kindheit entwickelt.

"Wir wussten, dass Babies über soziale Fähigkeiten verfügen, uns war jedoch nicht klar, dass sie so ausgeprägt sind, dass sie Menschen anhand des Verhaltens zu dem sie neigen, beurteilen", sagt Hamlin.

Böse Figuren

Hamlin und ihre Kollegen zeigten den Babies ein Figurenspiel, bei dem der zentrale Charakter, ein in leuchtenden Farben gehaltener runder Holzblock mit Kulleraugen, vergeblich versucht, einen steilen Berg zu erklimmen. Die Figur erhielt dann entweder einen freundlichen Schubs den Berg hinauf von einer hilfsbereiten anderen Figur oder wurde von einer bösen Figur bedrängt, die den Kletterer wieder hinunter schob.

Anschließend wurden die Babies ermutigt, entweder nach dem Helfer oder dem Hinderer zu greifen. Beinahe alle bevorzugten den Helfer, wie Hamlin und ihre Kollegen in Nature berichten (1).

"Wir sind daher der Ansicht, dass sie die Charaktere zumindest auseinanderhalten können und zu dem positiven Helfer tendieren", sagt Hamlin. "Die Stärke der Antwort hat uns überrascht. Wir wussten, dass Babies sensibel für das Verhalten anderer sind, aber dieses Ausmaß hatten wir nicht erwartet."

Desweiteren war der Effekt nicht so ausgeprägt, wenn der Figur die Augen entfernt worden waren, was zeigt, dass sich die Babies mit den Figuren als Charaktere identifizieren und ihre Wahl aufgrund der Handlungen der Charaktere treffen, selbst wenn die Babies nicht persönlich davon betroffen sind.

In einem zweiten Experiment wurde den Babies das Figurenspiel erneut gezeigt, anschließend sahen sie, wie der Kletterer entweder mit dem Helfer oder dem Hinderer "Freundschaft schloss". Die älteren Babies schauten länger zu, wenn der Kletterer auf den Hinderer zuging, was nahe legt, dass sie dieses Ereignis mehr überraschte. Das Ergebnis zeigt, dass die älteren Babies, jedoch nicht die jüngeren, in der Lage sind, ziemlich ausgeklügelte Schlüsse über die sozialen Haltungen und Motive anderer zu ziehen, sagen die Wissenschaftler.

Elterlicher Stolz

"Es gibt eine Menge Eltern, die behaupten, dass ihre Babies so auf verschiedene Menschentypen reagieren", sagt Hamlin. "Es galt als Anekdote und ist zuvor nicht experimentell untersucht worden."

Der Umstand, dass Babies Entscheidungen dieser Art treffen können, legt die Vermutung nahe, dass die Fähigkeit, zwischen netten und unfreundlichen Charakteren zu unterscheiden, angeboren ist, sagt Hamlin. Es könnte sogar der Grundstein für die soziale Entwicklung des Kindes sein, meint sie - indem es hilfsbereite Charaktere unfreundlichen vorzieht könnte das heranwachsende Kind die Saat für enge soziale Bindungen im späteren Leben legen.

(1) Hamlin, J. K., Wynn, K. & Bloom, P. Nature 450, 557-559 (2007).

Dieser Artikel wurde erstmals am 21.11.2007 bei news@nature.com veröffentlicht. doi: 10.1038/news.2007.278. Übersetzung: Sonja Hinte. © 2007, Macmillan Publishers Ltd

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