Psychologie : Blau macht kreativ, Rot aufmerksam

Marktforscher ergründen, wie Farben unsere Gefühle beeinflussen

Michael Simm

An Vermutungen und Behauptungen zur Wirkung unterschiedlicher Farben auf den Menschen mangelt es nicht. Fragt man dagegen nach Beweisen, so geraten auch Experten leicht ins Wanken. Selbst die Encyclopedia Britannica flüchtet sich ins Ungefähre, wenn sie zur Farbpsychologie erklärt, dieser wichtigste Aspekt der Farbe im Alltag sei „wahrscheinlich am schlechtesten definiert und höchst variabel“, zudem kulturell und geschichtlich geprägt und überdies abhängig vom Alter, der Stimmung und der geistigen Gesundheit des Betrachters.

Licht ins Dunkel bringen nun zwei Fachleute für Marktforschung: Die Privatdozentin Rui Zhu und ihr Kollege Ravi Mehta von der Sauder School of Business im kanadischen Vancouver konnten zeigen, dass die Farbe Rot bei Denkaufgaben die Aufmerksamkeit erhöht und zu sorgfältigem Arbeiten anregt. Die Farbe Blau dagegen veranlasste die Versuchspersonen, ihre Denkaufgaben entspannter anzugehen. Sie konzentrierten sich weniger auf die Details, bewiesen aber größere Kreativität und Überblick.

Ausgangspunkt waren die bisher oft widersprüchlichen Ergebnisse anderer Wissenschaftler, die sich mit der Auswirkung von Farben auf die Denkleistung beschäftigt haben, schreiben Zhu und Mehta in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift „Science“. „Einige Versuche haben nahegelegt, dass Blau oder Grün für die Denkleistung besser wäre als Rot; andere Versuche haben das Gegenteil gezeigt“, schreiben die Wissenschaftler.

Zhu und Mehta entwarfen daher sechs Versuchsreihen, bei denen die Freiwilligen meist am Computer vor einem blauen, roten oder neutralen Hintergrund unterschiedliche Aufgaben bewältigen mussten. So ging es unter anderem darum, Ideen für Kinderspielzeuge zu entwickeln, durch die Umstellung von Buchstaben aus einem Wort ein anderes Wort zu schaffen oder sich möglichst viele Wörter von einer Liste zu merken. „Mit unseren Ergebnissen können wir die bisherigen Widersprüche auflösen“, behaupten Zhu und Mehta.

Die Farben Rot und Blau bringen uns demnach in unterschiedliche Grundstimmungen und wirken sich deshalb bei verschiedenen Aufgaben unterschiedlich aus. Der Zusammenhang zwischen diesen Grundstimmungen (Motivationen) und den Farben beruhe auf Erfahrung und Lernvorgängen, erklären die Marktforscher. Rot werde mit Gefahr und Fehlern in Verbindung gebracht, Blau löse Gefühle von Offenheit, Frieden und Ruhe aus. Michael Simm

0 Kommentare

Neuester Kommentar