Psychologie : Geld lindert Schmerzen

Menschen, die vor Gericht ein Schmerzensgeld zugesprochen bekommen, leiden wahrscheinlich weniger. Diesen Schluss legt eine Untersuchung der Psychologin Wiebke Gandhi von der McGill University in Montreal nahe.

Michael Simm

„Unsere Studie zeigt, dass Menschen, die eine finanzielle Belohnung erhalten, weniger Schmerz verspüren. Umgekehrt wurden Schmerzen unserer Versuchsteilnehmer aber auch schlimmer, nachdem sie zuvor Geld verloren hatten“, berichtete die Psychologin Wiebke Gandhi auf einer Fachtagung in San Diego.

Gandhi wusste bereits, dass Schmerz und Belohnung im Gehirn in ähnlichen Systemen verarbeitet werden, und wollte untersuchen, wie die beiden Gefühle sich gegenseitig beeinflussen. Dass Drogen, gutes Essen, Musik und auch erotische Bilder Schmerzen beim Menschen lindern können, hatten nämlich bereits frühere Untersuchungen ergeben.

An Gandhis Experiment hatten jeweils zwölf Männer und Frauen teilgenommen, die mit 20 Dollar Spielgeld darauf wetteten, ob ein Glücksrad auf den Farben Rot oder Blau zum Stillstand kommen würde. Gleichzeitig mit dem Ergebnis erhielten die Probanden mit einer Elektrode einen mehr oder weniger unangenehmen Hitzereiz am Bein. Als die Freiwilligen gebeten wurden, die Stärke ihrer Schmerzen zu bewerten, zeigte sich, dass verlorene Wetten die Schmerzen verschlimmerten, obwohl die Dauer und die Temperatur des Hitzereizes unverändert waren. Umgekehrt meldeten die Versuchsteilnehmer jeweils geringere Schmerzen, wenn sie gerade eine Wette gewonnen hatten.

„Geld hat demnach einen bedeutenden Einfluss auf die Schmerzwahrnehmung gesunder Menschen“, sagte Gandhi. Als Nächstes will sie herausfinden, ob das auch für Menschen mit chronischen Schmerzen gilt.

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