Psychologie : Tore treiben Aktienkurse

Eine Analyse von Sportergebnissen zeigt: Gewinnt eine bekannte Mannschaft, legen die Wertpapiere von Firmen aus der Region zu.

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Gewinner. Am 25 März siegte der FC Bayern München mit 3:1 über Hertha BSC. Tags darauf legte die BMW-Aktie deutlich zu.
Gewinner. Am 25 März siegte der FC Bayern München mit 3:1 über Hertha BSC. Tags darauf legte die BMW-Aktie deutlich zu.Foto: AFP

Am 25. März um 21.52 Uhr schrieb der FC Bayern Geschichte: Mit einem 3:1 gegen Hertha BSC erspielten sich die Münchener die Deutsche Fußballmeisterschaft – sieben Wochen vor Saisonende. So früh hatte sich noch keine Mannschaft zuvor die Schale sichern können. Am Tag danach erreichte die BMW-Aktie mit einem Wert von 90,60 Euro ein neues Jahreshoch. Seit dem Beginn der Fußballsaison 2013/2014 hatten die Wertpapiere des Münchner Autobauers um fast 26 Prozent zugelegt. Der Dax war im selben Zeitraum lediglich um 13 Prozent gestiegen.

Möglicherweise verdankt BMW diesen Kurszuwachs zumindest zu einem Teil den bayerischen Erfolgskickern. Wie amerikanische Forscher berichten, lassen sportliche Höhenflüge auch Investoren nicht kalt. Davon profitieren Firmen, die ihren Sitz in der Nähe eines erfolgreichen Basketball-, Hockey- oder Baseball-Teams haben: Sie verbuchen oft überdurchschnittliche Kursgewinne. Das geht aus einer Studie hervor, die im „Journal of Economic Behavior and Organization“ erschienen ist.

Investoren kaufen vorzugsweise Aktien lokaler Unternehmen

Die steigenden Kurse werden vermutlich durch zwei unterschiedliche Mechanismen angetrieben. Zum Einen kaufen Investoren vorzugsweise Aktien lokaler Unternehmen. Ein Börsianer aus München legt sich eher BMW-Papiere ins Portfolio, einer aus Wolfsburg greift dagegen bevorzugt zu Aktien von VW. Dieser Zusammenhang ist schon länger bekannt und wird durch eine Reihe von Studien bestätigt. Zum Zweiten versetzt gute Stimmung in Kauflaune – auch kühl kalkulierende Anleger. Wenn also der FC Bayern Woche für Woche mit gutem Fußball begeistert, zeigen sich die Wertpapierhändler in und um München kauffreudiger als sonst. Infolgedessen verteuern sich die Wertpapiere lokaler Unternehmen, die Kurse steigen.

„Wir können zeigen, dass dieser Effekt ziemlich ausgeprägt ist“, sagt Christos Pantzalis, Finanzwissenschaftler an der Universität von Süd-Florida. „Er beschränkt sich nicht auf die kurze Zeitspanne nach einem wichtigen Spiel, sondern kann sich im Laufe der Saison, je nach Leistung des lokalen Sportteams, mehr und mehr steigern.“

Pantzalis und sein Kollege Jung Chul Park schlagen in ihrer Studie eine Trading-Strategie vor, die bei Wertpapierkäufen und -verkäufen die Leistung lokaler Baseball- oder Hockeyteams mit einbezieht. Anleger können mit dieser Methode erkleckliche Mitnahmeeffekte erzielen, zeigen die Forscher. Im Schnitt stieg der Wert eines entsprechenden Aktien-Portfolios mehr als doppelt so stark wie der amerikanische Aktienindex S&P 500.

WM 2006: Nach Niederlagen der Nationalelf brachen die Aktienkurse ein

Die Arbeit von Pantzalis und Park bezieht sich auf die Leistungen lokaler Teams über den gesamten Saisonverlauf hinweg. Daher lassen sich die Ergebnisse nicht ohne Weiteres auf die bevorstehende Fußball-WM übertragen. Ein anderes Forscherteam hat sich jedoch vor einigen Jahren die Ergebnisse der WM 2006 und ihre Auswirkungen auf nationale Aktienkurse angesehen. Erstaunlicherweise konnten die Wissenschaftler nach Siegen keinen größeren Effekt nachweisen. Anders war es nach wichtigen Niederlagen: Wenn eine Nationalelf in der Vorrunde ausschied, brachen in dem jeweiligen Land die Aktienkurse kurzfristig ein.

Dennoch könnten auch WM-Siege einen wichtigen psychologischen Effekt entfalten. Armin Falk, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Bonn, hat während der WM 2006 mehr als 3000 Menschen in Deutschland zu ihrer finanziellen Lage befragt. Nach guten Spielen der deutschen Mannschaft sahen die Interviewten ihre ökonomische Situation deutlich rosiger als vor der Weltmeisterschaft. Im Schnitt fühlten sich die Befragten, als hätten sie 500 Euro mehr in der Tasche. Wenn sich dieser Effekt in steigenden Konsumausgaben niederschlage, könne daraus möglicherweise ein zusätzlicher Wachstumsschub entstehen, sagt Falk.

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