Public Viewing in Berlin : Aus der Tiefe des Raumes kommt Applaus

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Die rund 80 Physiker beschäftigt zunächst ein optisches Forschungsproblem. Die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) hat in das Berliner Magnus-Haus zum ersten Nobelpreis-Public-Viewing eingeladen. Ein „Experiment“, sagt DPG-Präsident Wolfgang Sandner, um das Fach populärer zu machen. Doch vorerst ist es im Raum einfach zu hell, um den Livestream der Königlich-Schwedischen Akademie verfolgen zu können – bis eine Physiker-Taskforce den Lichtschalter entdeckt, gerade noch rechtzeitig. Staffan Carlsson, der designierte schwedische Botschafter, sagt zur Begrüßung, er werde es niemandem übel nehmen, wenn er während seiner Einführung sein Mobiltelefon eingeschaltet lasse. „In diesen Minuten informiert der Ständige Sekretär der Akademie den Preisträger.“ Schließlich stört aber kein Handy die gespannte Stille im Raum. Erst als die Namen der beiden Preisträger verlesen werden, geht ein Raunen durch die Reihen, Applaus brandet auf. „Ich freue mich sehr darüber“, sagt Ingrid Mertig, Professorin für Theoretische Physik in Halle-Wittenberg. „Die beiden haben eine wissenschaftliche Lawine losgetreten.“ Wie viele andere ist Mertig eigentlich nicht wegen des Public Viewings nach Berlin gekommen. Ein Stockwerk tiefer tagt der DFG-Schwerpunkt „Nanostrukturierte Thermoelektrika“, Materialwissenschaftler wie Geim und Novoselov also. Die beiden Preisträger sind den versammelten Physikern gut bekannt. Erst im vergangenen Jahr hatte Geim in Berlin vorgetragen. Hartmut Buhmann klappt gleich sein Netbook auf und zeigt strahlend Darstellungen von Graphen. Später am Tag will der Würzburger Professor für Experimentelle Physik Geim persönlich gratulieren. Als Postdocs haben die beiden in Nottingham ein Arbeitszimmer geteilt.

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