Wissen : Raketen, die mit Wasser fliegen

Seit fünfzig Jahren ist die TU in der Luftfahrt aktiv

Sybille Nitsche

Sie entwerfen und bauen Satelliten. Sie testen neue Sensoren bei Flugversuchen, um die Strömungszustände an den Tragflächen zu kontrollieren oder absolvieren Praktika bei dem amerikanischen Flugzeughersteller Boeing. Die wissenschaftliche Ausbildung der Studierenden am Institut für Luft- und Raumfahrt (ILR) der TU Berlin ist seit jeher aufs Engste mit der Praxis verbunden. „Ob im Fachgebiet Flugführung und Luftverkehr, Luftfahrzeugbau und Leichtbau, Flugmechanik und Flugregelung, Raumfahrttechnik oder Aerodynamik – die Verzahnung von Theorie und Praxis ist ein Markenzeichen des Studiums und gehört zur erfolgreichen Bilanz von fünfzig Jahren Luftfahrttechnik an der TU Berlin, auf die die Universität in diesem Jahr zurückblickt“, sagt Professor Gerhard Hüttig, geschäftsführender Direktor des Instituts.

So spielte auch die Entwicklung von Forschungssatelliten, der „Tubsats“ (Technische Universität Berlin Satellit), in der Lehre eine große Rolle. „Unser Ziel ist es“, sagt Udo Renner, der als Professor für Raumfahrtgeräte und Raumfahrtanlagen bisher sieben solcher Tubsats entwickelte, „den Studenten der TU Berlin Satellitentechnik am realen Objekt zu vermitteln.“

So lernen sie in seinen Vorlesungen, einen Satelliten zu entwerfen und zu bauen. Vom Raumflugkontrollzentrum der TU Berlin aus überwachen sie dann den Flug des Satelliten im Weltraum und werten die Daten aus, die der Satellit auf die Erde sendet. Die TU Berlin war die erste Universität Deutschlands, die einen Forschungssatelliten konstruierte und im All erprobte.

Wie sich Forschung und Lehre miteinander vernetzen, spiegelt sich auch in der Projektgruppe Aquarius, einer studentischen Initiative am ILR. „Hier beschäftigen sich Studierende und Absolventen verschiedener Studienrichtungen mit der Erforschung von Heißwasserantrieben. Das ist eine umweltfreundliche und kostengünstige Variante der Raketenantriebe“, erklärt Norbert Pilz vom Aquarius-Vorstand. „Bei diesem Antrieb wird die thermische Energie von überhitztem Wasser in Bewegungsenergie umgewandelt“, sagt Pilz. Einmal wöchentlich treffen sich die zwölf Mitglieder. „Die wissenschaftliche Arbeit an diesen Antrieben umfasst neben der Entwicklung und Konstruktion die Integration und Erprobung sowohl vertikal als auch horizontal startender Raketenmotoren.“ In einer eigenen Lehrveranstaltung wird zusätzlich die Entwicklung eines komplexen Heißwasserantriebs bis hin zum Prototypentest angeboten.

Den Studierenden des ILR stehen zudem am Institut moderne Forschungsanlagen zur Verfügung wie das Raumflugkontrollzentrum oder verschiedene Flugsimulatoren. Diese praxisorientierte Ausbildung macht die Absolventen des ILR zu hochqualifizierten und im In- und Ausland begehrten Fachkräften.

So arbeiten sie für Airbus in Toulouse und in Hamburg, für die Nasa, Rolls-Royce oder am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Oder sie sind als Firmengründer erfolgreich, wie das Berliner Unternehmen Pace zeigt. Pace, 1995 von TU-Absolventen gegründet, entwickelt Software für die internationale Luftfahrt. Die Airbus-Ingenieure zum Beispiel verwendeten die Software von Pace beim Entwurf der Passagierkabine für den neuen Riesen-Airbus A380, das größte Passagierflugzeug auf der Welt.

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