Ranking : Humboldt-Universität in Berlin vorn

Das Ranking des Senats sieht die Hochschulen der Hauptstadt im Aufwind. Bei den Fachhochschulen führt die FHTW.

Tilmann Warnecke
Humboldt Universität Foto: ddp
Humboldt Universität. -Foto: ddp

Die Humboldt-Universität (HU) ist nach den Kriterien des Berliner Senats die leistungsfähigste Universität Berlins. Das hatte die Hochschule bereits im Februar bekannt gegeben (wir berichteten). Mit dem Senatsbericht ist nunmehr auch offiziell bekannt, dass die HU die Freie Universität (FU) nach fünf Jahren von ihrem Spitzenplatz verdrängt hat. Das Land Berlin vergibt einen Teil seines Zuschusses an die Hochschulen – 25 Prozent – auf der Basis von Leistungen in Forschung und Lehre. Die HU erhält damit in diesem Jahr zusätzlich 747 000 Euro. Während die FU von der Umverteilung der Mittel zwischen den Universitäten noch mit 8000 zusätzlichen Euro profitiert, muss die TU Berlin auch in diesem Jahr wieder Geld an die anderen beiden Unis abgeben: insgesamt 755 000 Euro.

Bei den Fachhochschulen schneidet die Fachhochschule für Technik und Wirtschaft (FHTW) am besten ab, das meiste Geld verliert die Technische Fachhochschule. Trotz der Mittelkürzungen in den vergangenen Jahren hätten sich die drei Universitäten und auch die Fachhochschulen im letzten Jahr insgesamt gut entwickelt, heißt es in dem Bericht: „Es ist durchgängig ein positiv steigender Trend zu verzeichnen.“ Die „positive Entwicklung der Berliner Hochschullandschaft“ werde „auch im überregionalen Vergleich durch einschlägige Rankings belegt“. Insbesondere die Humboldt-Universität und die Freie Universität stünden in der Forschung inzwischen exzellent dar: „Im internationalen Vergleich hat die Reputation der Freien Universität und der Humboldt-Universität in den letzten fünf Jahren deutlich zugenommen.“ Die „besondere Leistungsfähigkeit“ in der Forschung spiegele sich auch in den bisherigen Ergebnissen der zweiten Runde des Elitewettbewerbs wider: Die HU und die FU können im Oktober bekanntlich noch Elite-Uni werden, in den beiden anderen Disziplinen haben die drei großen Berliner Universitäten noch sieben Exzellenzcluster und sechs Graduiertenschulen im Rennen.

Tatsächlich zeigt der Leistungsbericht, dass es den drei Universitäten gelingt, in der Forschung noch einmal deutlich zuzulegen. 177 Millionen Euro an Drittmitteln haben die Unis letztes Jahr eingeworben, 17 Millionen mehr als im Jahr davor. Die Humboldt-Uni liegt mit einem Plus von acht Millionen Euro auf 53 Millionen Euro bei den Drittmitteln erstmals vor der FU, die sich gleichwohl ebenfalls steigern konnte: Um zwei Millionen Euro auf 48,2 Millionen Euro. An der Spitze liegt hier erneut die wirtschaftsnahe TU (76,3 Millionen Euro, ein Plus von sieben Millionen). Ein TU-Professor wirbt im Schnitt mit 259 000 Euro auch deutlich mehr ein als die Kollegen von der HU (167 000 Euro) und der FU (138 000 Euro). Die HU kann sich bei diesem Kriterium am meisten verbessern (plus 25 000 Euro pro Professor, FU und TU jeweils plus 13 000 Euro). Im bundesweiten Vergleich liegen die Professoren aller drei Universitäten stark über dem deutschen Durchschnittsprofessor, der laut Statistischem Bundesamt gut 100 000 Euro pro Jahr akquirieren kann. „Deutlich professionalisiert“ hätten sich die Berliner Hochschulen beim Umgang mit Patenten, Erfindungen und Lizenzen, lobt der Bericht.

Bei der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ist die Humboldt-Universität bei der Zahl der Juniorprofessoren führend. Im Jahr 2006 forschten und lehrten dort 82 Juniorprofessoren, an der FU waren es 53, an der TU 18. Nachdem die Unis in der Vergangenheit von Jahr zu Jahr immer mehr Juniorprofessuren eingerichtet haben, sei jetzt „die Dynamik einer gewissen Normalisierung auf hohem Niveau gewichen“, merkt der Bericht an: Die Zahlen sind an den drei Unis praktisch konstant geblieben. Das gilt auch für die Promotionen, bei denen die FU vorne liegt (576, HU: 403, TU: 411).

In der Lehre ist ebenfalls ein aufsteigender Trend zu verzeichnen. Den Universitäten gelang es erneut, die Zahl der Langzeitstudierenden zu senken. Erreichten im Jahr 2005 41,5 Prozent ihren Abschluss in der Regelstudienzeit, waren es im letzten Jahr 43,4 Prozent. Gleichzeitig verlassen weniger Studierende die Uni ohne Examen, die Erfolgsquote stieg um drei auf sechzig Prozent. Gleichwohl „bedürfen die Leistungen in der Lehre noch weiterer Anstrengungen“, mahnt der Bericht. Positiv sei, dass alle Berliner Hochschulen zum kommenden Wintersemester ihr Studienangebot praktisch flächendeckend auf Bachelor und Master umgestellt haben werden.

Die Universitäten stehen allerdings unterschiedlich da, was die Lehre betrifft. Die TU kann nur 37 Prozent der Studierenden in der Regelzeit zum Abschluss führen (FU: 46 Prozent, HU: 45,6 Prozent). Abgeschlagen ist die TU auch mit einer Erfolgsquote von 53 Prozent. Hier liegt erstmals die Humboldt-Universität mit 65 Prozent vorne (FU: 62 Prozent). Deutlich bessere Werte als die Universitäten haben aber die Fachhochschulen vorzuweisen: Bei ihnen schließen 84 Prozent der Studierenden in der Regelzeit ab, nur elf Prozent brechen ihr Studium ab.

Bei der Förderung von Frauen, ebenfalls ein Leistungskriterium des Senats, steht die FU am besten da. Der Frauenanteil unter den Professoren liegt hier bei 21 Prozent (HU: 19, TU: 16). Unter den neu berufenen Professoren sind an der FU 38 Prozent Frauen, an der HU 34 Prozent, an der TU 30 Prozent. Auch beim Frauenanteil unter den Promovierten führt die FU mit 49 Prozent (HU: 41 Prozent, TU: 28 Prozent). Insgesamt, so lobt der Bericht, habe Berlin bei der Gleichstellung in der Wissenschaft „in der Gesamtbewertung der Bundesländer die Spitzenposition erreicht“. 

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