Raumfahrt : "Atlantis" muss wegen Defekts am Boden bleiben

Der Start des Space Shuttle mit dem deutschen Astronauten Hans Schlegel ist um mindestens 24 Stunden verschoben worden. Der Grund: Zwei Tanknadeln am Außentank der Raumfähre machen den Nasa-Technikern Sorgen.

Atlantis
Warten auf den Shuttle-Start. -Foto: AFP

Cape CanaveralDer deutsche Astronaut Hans Schlegel und seine sechs Teamkollegen haben dem Aufbruch ins All vergeblich entgegengefiebert. Nur sechs Stunden vor dem geplanten Termin sagte die US-Raumfahrtbehörde Nasa den Start der Raumfähre "Atlantis" ab. "Der Start wird sich um mindestens 24 Stunden verzögern", sagte ein Sprecher in Cape Canaveral, "nun geht es erstmal um die Fehlersuche, dann wird eine Entscheidung getroffen". Die Tanknadeln zeigten einen leeren Tank an, obwohl dieser fast vollständig gefüllt war. Ein ähnliches Problem mit den Tanknadeln war bereits im Juli 2005 am Space Shuttle "Discovery" aufgetreten und hatte damals zu einer einwöchigen Startverzögerung geführt.

Vor der Absage hatten Nasa-Techniker versucht, zumindest eine der defekten Tanknadeln zu reparieren. Wenn mindestens drei der vier Nadeln funktionierten, könne grünes Licht für den planmäßigen Start binnen eines zehnminütigen Zeitfensters nach 22.31 Uhr (MEZ) gegeben werden, hieß es bei der Nasa. Die Bemühungen führten aber nicht zum gewünschten Erfolg.

Die "Atlantis" soll vom Kennedy Space Center in Florida aus das europäische Forschungslabor "Columbus" zur Internationalen Raumstation ISS bringen. Bei der Mission wird zwei Astronauten der Europäischen Raumfahrtagentur Esa eine Schlüsselrolle zukommen: Der Deutsche Schlegel und der Franzose Léopold Eyharts sollen "Columbus" mit ihren fünf Nasa-Kollegen an die ISS montieren und in Betrieb nehmen. Damit schreiben sie ein Kapitel europäischer Raumfahrtgeschichte, denn "Columbus" ist Europas erstes Raumlabor für Langzeitforschung unter Weltraumbedingungen.

"Columbus" weist eine Länge von 6,9 Metern und einen Durchmesser von 4,5 Metern auf. In dem Labor können bis zu drei Astronauten auf 25 Kubikmetern an wissenschaftlichen Versuchen arbeiten. An der Außenwand sollen zudem Versuchsgeräte angebracht werden, die Experimente im freien Weltraum ermöglichen. Nach seiner Angekoppelung an die ISS soll das Weltraumlabor Hauptarbeitsplatz für die Esa-Astronauten sein. Forschungsgebiete werden die Material- und Lebenswissenschaften, die Flüssigkeitsforschung und die Entwicklung neuer Technologien sein.

Das Forschungslabor wurde unter deutscher Federführung gebaut. Der Präsidialgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI), Dietmar Schrick, nannte den geplanten Start von "Columbus" ins All einen "wichtigen Meilenstein für die deutsche und europäische Raumfahrt". Es bündele "die wissenschaftlichen Erkenntnisse aller europäischen Programmpartner und bietet somit die beste Grundlage für eine erweiterte Forschung in der Schwerelosigkeit", erklärte Schrick. (küs/AFP)

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