Raumfahrt : Erneut Panne bei Nasa-Shuttle

Die US-Raumfähren werden weiter vom Pech verfolgt. Nachdem der Countdown der "Endeavour" in den vergangenen Tagen reibungslos wie selten zuvor verlaufen war und auch das oft kapriziöse Wetter mitzuspielen schien, gab es in der Nacht zu Samstag wieder mal schlechte Nachrichten.

Gerhard Kowalski[ddp]
Endeavour
Die "Endeavour" wartet auf ihren Start. -Foto: dpa

Berlin/Cape CanaveralDer für 13:17 Uhr MESZ geplante Start zur Internationalen Raumstation ISS muss bis auf weiteres verschoben werden. Grund ist wieder einmal ein Leck in einer Wasserstoffleitung, wie die Luft- und Raumfahrtbehörde Nasa in Cape Canaveral (Florida) mitteilte. Diesmal traf es jenes System, das den überflüssigen Wasserstoff beim Betanken wieder sicher aus dem Startbereich ableitet. Bereits Anfang des Jahres hatte ein ähnliches Problem bei der "Discovery" für eine vierwöchige Startverschiebung gesorgt.

Ein neuer Startversuch ist nach ersten Nasa-Angaben nicht vor Mittwoch (17. Juni) möglich. Am Sonntagabend deutscher Zeit soll eine Kommission zusammentreten, die die genaue Schadensursache ermittelt und einen Reparaturplan ausarbeitet. Doch selbst wenn es gelingt, den Shuttle bis Mittwoch wieder flott zu machen, kann die Nasa nicht einfach grünes Licht für die nunmehr 32. Mission zur ISS geben. Denn just an diesem Tag soll von der benachbarten Militärbasis eine "Atlas-V"-Trägerrakete mit zwei Mondsonden abheben. Und da könnte man sich ins Gehege kommen.

Allerdings ist das Startfenster für die 16-Tage-Mission der Fähre nur noch bis zum nächsten Samstag (20. Juni) offen. Der nächste Versuch ist dann erst wieder ab dem 11. Juli möglich. Ob die neue Panne den Fahrplan für die ISS beeinträchtigt, die ja im kommenden Jahr fertiggestellt werden soll, bleibt abzuwarten.

Die "Endeavour", die schon 22 Mal im All war, sollte nach zweitägiger Aufholjagd am Montag an der Station ankoppeln. Hauptaufgabe der siebenköpfigen Crew von Kommandant Mark Polansky ist es, eine Experimentier- und eine Logistikplattform zur ISS zu bringen. Bei fünf Ausstiegen in den freien Raum sollen die Astronauten diese an der Außenseite des japanischen Forschungsmoduls "Kibo" montieren, das damit dann komplett wäre. Die Plattformen dienen der Durchführung von wissenschaftlichen und technologischen Experimenten unter den Bedingungen des offenen Weltraums. Zudem sollen neue Batterien an einem Sonnensegel installiert werden.

Bei der Rückkehr der Fähre ist auch der japanische Astronaut Koichi Wakata mit an Bord, der seit Mitte März in der ISS arbeitet. Für ihn bleibt US-Weltraumneuling Timothy Kopra als Bordingenieur in der Station. Die Startverschiebung dürfte auch die ISS-Stammbesatzung aus ihrer verlängerten Wochenendruhe gerissen haben, die ihr das russische Flugleitzentrum (FLZ) in Koroljow bei Moskau genehmigt hatte. Da am Freitag russischer Nationalfeiertag war, bekam das multinationale Sextett gleich drei Tage frei. Der russische Kommandant Gennadi Padalka und sein Landsmann Roman Romanenko sowie Wakata dürfen zudem über eine Privatleitung ausführlich mit ihren Lieben daheim plaudern. Der Amerikaner Michael Barratt, der Kanadier Robert Thirsk und der belgische Esa-Astronaut Frank de Winne können sich zudem ihren Hobbies widmen. Die Bordbibliothek bietet ihnen dafür ein reiches Film-, Literatur- und Musikangebot.

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