Raumfahrt : Indische Sonde erreicht den Mars

Indische Straßen sind voller Löcher, Züge kommen oft verspätet oder gar nicht. Die Raumsonde vom asiatischen Subkontinent erreichte den Roten Planeten jedoch punktgenau.

Wissenschaftler der Indischen Raumfahrtorganisation Isro feiern, nachdem sie den Satelliten Mangalyaan erfolgreich in einer Umlaufbahn um den Mars platziert haben.
Wissenschaftler der Indischen Raumfahrtorganisation Isro feiern, nachdem sie den Satelliten Mangalyaan erfolgreich in einer...Foto: dpa

Das hat noch kein Land zuvor geschafft: Gleich im ersten Versuch ist es Indien gelungen, ein Raumfahrzeug zum Mars zu schicken. Der Jubel unter den Wissenschaftlern der indischen Weltraumforschungsorganisation Isro in der Bodenstation war am Mittwochmorgen riesengroß. Viele der Mitarbeiter, berichteten indische Medien, hätten seit Tagen nicht mehr geschlafen.

Selbst Premierminister Narendra Modi kam zur Zentrale nach Bangalore, gekleidet in eine Weste so rot wie der Planet. „Das ist ein Symbol für das, wozu wir fähig sind“, sagte Modi stolz. Für einen Moment war vergessen, dass in Indien viele Millionen Menschen in bitterer Armut leben und zahlreiche Dörfer nicht einmal Straßen haben. Modi erklärte den Wissenschaftlern - und der Nation vor den Bildschirmen -, die Marsmission werde als Meilenstein in die Geschichte eingehen. „Ihr habt das Unmögliche möglich gemacht.“

Keine neuen Entdeckungen zu erwarten

Das vorrangige Ziel der unbemannten Sonde „Mangalyaan“ (Hindi für Mars-Gefährt) ist Image-Gewinn. Denn neue wissenschaftliche Erkenntnisse, das geben selbst die Isro-Mitarbeiter zu, werden eher nicht dabei erwartet. Auch wenn die Sonde Instrumente trägt, um die Marsatmosphäre und die Oberfläche zu studieren. „Allein die Tatsache, dass Indien die Technologie für einen Flug zum Mars und den Eintritt in einen Orbit entwickelt hat, ist eine gewaltige Leistung“, meint Isro-Wissenschaftler Koteswara Rao.

Es ist eine Investition des aufstrebenden Schwellenlandes in die Zukunft. Schon jetzt hat Indien einen guten Ruf, wenn es um den Transport von Satelliten in die Erdumlaufbahn geht. Rund 70 Stück, darunter auch welche aus Deutschland, hat Indiens Trägerrakete PSLV abgesetzt. Bald würden andere Länder ebenfalls Richtung Isro schauen, wenn sie ein interplanetares Raumfahrzeug losschicken wollen, meint Emily Lakdawall von der Planetarischen Gesellschaft in den USA.

Raumfahrt zum Schnäppchen-Preis

Indien ist natürlich nicht das erste Land, das den Mars erreichte. Schon die USA, die damalige UdSSR und die Europäische Union haben Missionen hingeschickt. Mehrere Sonden umkreisen den Planeten, und auf seiner Oberfläche fahren Forschungsroboter. Doch schaffte es noch niemand so billig. Die ganze Mission kostete umgerechnet 57 Millionen Euro, während „Maven“, die jüngste Nasa-Sonde, mit mehr als 500 Millionen Euro zu Buche schlug.

Das Raumfahrtprogramm Indiens begann 1963, als eine kleine Raketensonde vom Fischerdorf Thumba in Kerala gestartet wurde. Fotos zeigen, wie die Rakete auf einem Fahrrad zur Abschussstelle gebracht wurde. Neben kleinen Budgets kämpften die Wissenschaftler auch mit einem Verbot von Technologietransfer nach Indien, nachdem das Land 1974 einen Atomtest durchführte.

Das Embargo führte dazu, dass nun alle Teile der Marssonde - abgesehen von einigen elektronischen Komponenten - in Indien entworfen und hergestellt wurden. „Das ist ein Beispiel für unsere Errungenschaften, mit dem wir unsere Vorfahren ehren und zukünftige Generationen inspirieren“, sagte Premierminister Modi. Das scheint schon zu passieren: In den vergangenen Jahren hat sich die Zahl der Bewerber bei Isro verdreifacht, wie die Zeitung „Economic Times“ berichtete.

Erste asiatische Nation, die den Mars erreicht

Besondere Freude herrschte auf dem Subkontinent darüber, dass der Marsflug vor den asiatischen Konkurrenten China und Japan gelang. Und schon werden neue Ziele gesteckt. „Nasa und Isro sprechen momentan darüber, wie sie ihre Forschung am Mars koordinieren können“, sagt Rao. Im Jahr 2016 oder 2017 soll ein indisches Gefährt auf dem Mond fahren. Und wenn das gelingt, könnte 2018 ein Landeversuch auf dem Mars folgen.

Ajay Lele, Autor eines Buches über Indiens Marsmissionen und Analyst am Institute for Defence Studies and Analysis in Neu Delhi, spricht sogar schon von einer globalen Anstrengung zur Kolonialisierung des Mars. „Die Idee, zum Mars zu fliegen, ist reif. Und jeder Erfolg auf diesem Gebiet hat das Potenzial, eine aufstrebende Macht wie Indien in eine Großmacht zu verwandeln.“ (dpa)

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