Raumfahrt : Verfahrene Situation auf dem Mars

Seit Monaten steckt der Marsroboter „Spirit“ im Sand unseres Nachbarplaneten fest. Seine Überlebenschancen schwinden.

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Wunschbild. In der Animation rollt „Spirit“ forsch über den Roten Planeten. Tatsächlich streiken zwei der sechs Räder und er hat...NASA/epa

Es war wohl der letzte Geburtstag, der diesen Montag gefeiert wurde. Denn der ehemals umtriebige Jubilar war monatelang erstarrt und ist auch jetzt nur noch zu kleinen Zuckungen fähig. Wohl bald dürfte er für immer stillstehen. Am 4. Januar vor sechs Jahren fiel er vom Marshimmel. Im Auftrag der US-Raumfahrtbehörde Nasa sollte der Roboter „Spirit“ den Roten Planeten erkunden, was er mehr als fünf Jahre lang tat. Doch seit über einem halben Jahr gibt es kein Vorwärtskommen mehr, Spirit steckt fest.

Fieberhaft versuchen die Nasa-Experten aus der Ferne, den Roboter aus seiner Sandfalle zu befreien. Ein erster Versuch Mitte November musste schon nach einer Sekunde abgebrochen werden, der Forschungsroboter neigte sich bedrohlich zur Seite und drohte umzukippen. Es wäre definitiv das Ende einer Mission gewesen, die eine Fülle atemberaubender Aufnahmen und wissenschaftlich wertvoller Gesteinsanalysen von unserem Nachbarplaneten geliefert hat.

„Es ist die schwierigste Situation, in der Spirit sich jemals befunden hat“, sagt der Nasa-Projektmanager John Callas, „Wir wissen nicht, ob wir ihn aus dem lockeren Sand herausbekommen.“ Dabei schien Spirit, ebenso wie sein Zwilling „Opportunity“, unverwundbar zu sein. Die beiden sechsrädrigen, zwei Meter großen Rover waren im Januar 2004 auf entgegengesetzten Seiten des Mars gelandet. Ausgestattet mit Kameras, Gesteinsmikroskopen und Spektrometern, die die chemische Zusammensetzung der Oberfläche ergründen sollen, machten sich die Roboter auf die Suche nach Spuren früherer Wasservorkommen.

Drei Monate sollte die Mission von Spirit und Opportunity ursprünglich dauern, sechs Jahre später sind die beiden Roboter offiziell immer noch in Betrieb. In dieser langen Zeit haben sich die Rover immer mal wieder im feinen Marssand festgefahren und sich auch wieder daraus befreit. So machten sich die Forscher der Nasa auch am 23. April vergangenen Jahres zunächst keine Sorgen, als Spirit plötzlich stecken blieb. Der Rover durchquerte gerade einen etwa acht Meter großen Krater, der sich vor langer Zeit mit Sediment gefüllt hatte. Eine etwa einen Zentimeter dicke Kruste bedeckt dort den feinen Sand. Doch die Kruste trug das Gewicht des 180 Kilogramm schweren Roboters nicht. Die Räder brachen ein und drehten in dem feinen Sand durch.

Diesmal scheiterten die üblichen Befreiungsversuche. Immer tiefer gruben sich die Räder in den lockeren Sand. Als der Rover schließlich auch noch zusehends in Schräglage geriet, brachen die Nasa-Experten die Manöver ab. Fünf Monate lang analysierten Wissenschaftler am Jet Propulsion Laboratory der Nasa im kalifornischen Pasadena die verfahrene Situation und testeten mögliche Rettungsmanöver in einer Art Sandkasten.

„Wir haben dafür zwei verschiedene Testfahrzeuge auf der Erde unter Bedingungen verwendet, die der Situation auf dem Mars möglichst genau entsprechen“, berichtet Callas. „Doch letztlich können Versuche auf der Erde die Bedingungen auf dem Mars niemals exakt reproduzieren.“

Und so steckt Spirit noch immer im marsianischen Sandbunker fest. Obendrein schwinden die Kräfte des Forschungsroboters. Seit sechs Wochen ist das rechte Hinterrad blockiert. Der Antrieb im rechten Vorderrad hingegen, der bereits im März 2006 ausgefallen war, hat sich im Zuge der jüngsten Tests wieder einige Male bewegt.

Das gibt dennoch wenig Grund zu Hoffnung, denn die Solarpaneele, mit deren Hilfe Spirit seine Batterien lädt, stauben zusehends ein. Zudem steht auf der Südhalbkugel der Winter bevor, bis zum Mai nimmt die tägliche Dosis Sonnenlicht immer weiter ab. Diese Durststrecke wird der altersschwache Roboter kaum überstehen, schätzen die Experten. Schlechte Voraussetzungen für eine nüchterne Kosten-Nutzen-Analyse, die die Nasa im Februar für alle aktuellen Mars-Missionen vornehmen will.

Bessere Chancen hat Opportunity, dem 2004 anhand von bestimmten Mineralen der Nachweis früherer Wasservorkommen auf dem Mars glückte. Rund 18 Kilometer hat der Rover seit seiner Landung am 24. Januar 2004 zurückgelegt, mehr als 132 000 Bilder zur Erde gefunkt. Derzeit ist der Roboter unterwegs zum „Endeavour“-Krater. In der Weihnachtswoche hat er einen Stopp am Fels „Marquette Island“ eingelegt, um die Zusammensetzung des Gesteins zu erforschen.

Bis Opportunity Konkurrenz in Gestalt eines weiteren Mars-Rovers bekommt, wird noch einige Zeit vergehen. Der Starttermin des Nasa-Roboters „Curiosity“ liegt derzeit bei Herbst 2011. Der europäische Rover „Exomars“ wird nach gegenwärtigem Plan frühestens 2016 abheben. Rainer Kayser/Ralf Nestler

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