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Raumfahrt : Versuch mit aufblasbarem Wohnmodul an ISS schlägt fehl

An der Internationalen Raumstation wird ein faltbares Raummodul getestet. Es ist Vorbild für Touristenunterkünfte. Die Technik macht aber noch Probleme.

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Erster Versuch gescheitert: Das aufblasbare Wohnmodul an der Raumstation blieb zu flach.
Erster Versuch gescheitert: Das aufblasbare Wohnmodul an der Raumstation blieb zu flach.Foto: AFP/Nasa TV/Handout

Eine große Luftnummer oder eine Revolution in der Raumfahrt? Noch ist nicht klar, in welche Kategorie aufblasbare Module gehören. Ein Test an der Internationalen Raumstation (ISS) soll zur Klärung beitragen. Am Donnerstagmittag begann der Astronaut Jeff Williams, Luft aus der Station ins „Beam“ (Bigelow Expendable Activity Module) zu leiten, um es zu voller Größe zu entfalten: 16 Kubikmeter Rauminhalt soll es bieten.

Doch während des nun erfolgten zweistündigen Tests blies sich das Modul nach Angaben der Nasa jedoch gerade einmal ein paar Zentimeter in Länge wie Breite auf. Bei voller Größe ist "Beam" vier Meter lang und 3,23 Meter breit.
Ein zunächst für Freitag in Aussicht gestellter zweiter Versuch wurde gestrichen. Stattdessen will die Nasa bei einer Pressekonferenz die Probleme erläutern, die in der Nacht bei einer Untersuchung des aus der extrem belastbaren Kunstfaser Kevlar bestehenden Moduls genauer festgestellt werden sollen.

Die Idee der aufblasbaren Module ist alt. Bereits Wernher von Braun hatte sie in den fünfziger Jahren aufgegriffen, als er eine Raumstation für 80 Menschen entwarf. Ein wichtiger Vorteil besteht darin, dass faltbare Module leichter sind als feste Strukturen, was die Kosten für den Start ins All reduziert. Zudem sind sie platzsparender, was ebenfalls günstig ist, da der Laderaum einer Rakete enge Grenzen setzt. Allerdings stellt sich die Frage, ob die Faltmodule den Temperaturschwankungen, der kosmischen Strahlung und dem Beschuss durch Mikrometeoriten widerstehen.

Hightechstoffe sollen vor den harschen Bedingungen des Alls schützen

Um das zu testen hat Bigelow Aerospace 2006 und 2007 zwei unbemannte Test-Stationen namens Genesis ins All gebracht. Nun folgt der nächste Schritt: Beam. Die Wände bestehen aus Hightechstoffen, die auch für Landeairbags an Marssonden verwendet wurden. Sollte es ein Leck geben, faltet sich das Modul wieder zusammen, um die Sicherheit der ISS zu gewährleisten, teilt die Nasa mit. Sie unterstützt den auf zwei Jahre angelegten Test mit 17,8 Millionen Dollar. Sensoren sollen beispielsweise Temperatur und Strahlung im Inneren messen. Die Schleuse zum Rest der Station bleibt verschlossen und wird nur für Kontrollen der Astronauten geöffnet. Das soll erstmals am 2. Juni möglich sein.

Bigelow hat längst größere Pläne. Dazu gehört ein wesentlich größeres Modul mit 330 Kubikmetern Rauminhalt, das an die ISS angedockt werden könnte. Später könnte es sogar eine eigenständige Raumstation geben namens Space Complex Alpha. Zusammen mit den immer billigeren Flügen von Unternehmen wie SpaceX, die ab Ende 2017 auch bemannte Missionen anbieten wollen, könnte man Komplettpakete für Forschung in der Schwerelosigkeit anbieten.

Raumstation zu vermieten - für Forscher und Touristen

Sollte die Nachfrage zu gering sein, dann könnten freie Kapazitäten an Touristen vergeben werden, die es sich leisten wollen, im Weltraumhotel (oder sagt man in diesem Falle doch besser „Zelt“?) Urlaub zu machen. Firmengründer Robert Bigelow hat da einige Erfahrung, zumindest auf der Erde. Seine Hotelkette "Budget Suites of America" ist so erfolgreich, dass er damit seine Weltraumabenteuer finanzieren kann. (mit AFP)

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