Reaktionen auf OECD-Bericht : Lotsen sollen Schülern helfen

Im weltweiten OECD-Bildungsvergleich hinkt Deutschland weiter hinterher. Wie Politik und Verbände auf die Kritik der OECD reagieren.

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Die Botschaft des OECD-Berichts „Bildung lohnt sich“ müsse in Deutschland noch mehr verbreitet werden, sagt die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz (KMK), Johanna Wanka (CDU). Ein Signal an Bund und Länder sei der hohe volkswirtschaftliche Nutzen akademischer Bildung, erklärte Wanka bei der Vorstellung des Berichts. Aber auch bildungsfernen Familien müsse man stärker vermitteln, wie wichtig eine frühe Förderung sei. An die Länder appellierte Wanka, den Übergang von der Berufsbildung an die Hochschulen zu erleichtern, wie Brandenburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen es bereits mit Gesetzen getan hätten. So könne die Studierquote weiter erhöht werden.

Der Anteil von Studierenden an einem Altersjahrgang steige weiter, betonte Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) gegenüber dem Hinweis der OECD auf höhere Steigerungsraten in anderen Mitgliedsländern. In Deutschland lag er 2009 bei 43 Prozent, drei Prozent mehr als nach der OECD-Statistik, die auf Zahlen von 2008 beruht. Um den Anteil der Berufsanfänger mit Hochschulausbildung zu steigern, wolle der Bund bessere Bedingungen für Absolventen aus Nicht-EU-Staaten schaffen. Bislang müssen diese ein Einkommen von jährlich mindestens 63 000 Euro nachweisen.

Verbessert werden solle auch die von der OECD kritisierte Lage der Schulabgänger, die bislang im schulischen Übergangssystem landen, sagte Schavan. „Bildungslotsen“, darunter Meister aller Berufsrichtungen, sollen schwache Schüler unterstützen, damit sie einen Abschluss schaffen und einen Ausbildungsplatz finden. Dafür will der Bund bis 2013 rund 362 Millionen Euro bereitstellen. Eine ebenfalls am Dienstag veröffentlichte Studie der Bertelsmann-Stiftung hat ergeben, dass auch immer mehr Realschulabsolventen keinen Ausbildungsplatz finden. Die Stiftung forderte von Bund und Ländern Reformen, die jedem Jugendlichen eine Ausbildung garantieren.

Der OECD-Bericht habe „Rechentricks der Finanzminister“ und die Bildungsgipfel entlarvt, erklärte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Statt Bildungsausgaben nur schönzurechnen, müsste das vereinbarte Ziel von zehn Prozent vom Bip für Bildung und Forschung endlich angepackt werden.

Damit mehr junge Leute aus bildungsfernen Schichten ein Studium aufnehmen, müsse das Bafög konsequent ausgebaut werden, mahnte der Bildungsexperte der SPD-Bundestagsfraktion Swen Schulz. Stattdessen habe Schavan im Bundesrat das Stipendienprogramm durchgesetzt und Empfehlungen des Wissenschaftsrats für gute Lehre weitgehend ignoriert. Der Verband Bildung und Erziehung forderte die Länder auf, die durch den Schülerrückgang frei werdenden Mittel trotz Schuldenbremse im Bildungssystem zu lassen.

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