Rendezvous nach 4,6 Milliarden Kilometern : Besuch beim Gott der Unterwelt

Neun Jahre nach dem Start nähert sich die Raumsonde „New Horizons“ ihrem Ziel: dem fernen Pluto.

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Am Ziel. Künstlerische Darstellung der Nasasonde "New Horizons" mit dem Zwerplanet Pluto und drei seiner fünf Monde. Im Juli soll die Sonde dicht an Pluto vorbeifliegen und zahlreiche Daten sammeln.
Am Ziel. Künstlerische Darstellung der Nasasonde "New Horizons" mit dem Zwerplanet Pluto und drei seiner fünf Monde. Im Juli soll...Abb.: NASA/JHUAPL/SwRI

Die Sonde „New Horizons“ war nur wenige Monate unterwegs, da kam ihr das Ziel abhanden. Am 19. Januar 2006 wurde sie gestartet, um den neunten und bis dato letzten unerforschten Planeten des Sonnensystems anzusteuern: Pluto. Doch im August desselben Jahres wurde dem Himmelskörper, der nach dem römischen Gott der Unterwelt benannt ist, der Planetenstatus aberkannt. „Zwergplanet“ heißt er nun – und ist für die Forscher nicht minder spannend. Am 14. Juli soll New Horizons als erste Raumsonde überhaupt Pluto erreichen. In diesen Tagen liefert sie bereits erste Bilder, allerdings noch aus großer Distanz.

4,76 Milliarden Kilometer auf dem Tacho

Bis zum Rendezvous wird die Sonde rund 4,76 Milliarden Kilometer hinter sich gebracht haben. „Es ist die längste Strecke, die je ein irdisches Raumfahrzeug bis zu seinem Ziel zurückgelegt hat“, sagt Alan Stern, der wissenschaftliche Leiter der Nasa-Mission. Geplant ist eine Passage: Mit einer Geschwindigkeit von fast 50 000 Kilometern pro Stunde rast New Horizons in einem Abstand von 9600 Kilometern an Pluto vorüber.

Das Sonnensystem. Pluto wurde lange Zeit als neunter Planet geführt. Seit 2006 gilt er als "Zwergplanet".
Das Sonnensystem. Pluto wurde lange Zeit als neunter Planet geführt. Seit 2006 gilt er als "Zwergplanet".Abb.: dpa/TSP/Schmidt

Die Begegnung ist nicht ohne Risiko. Denn der Weg der Sonde führt mitten durch die Umlaufbahnen der fünf bekannten Monde Plutos hindurch. Gut möglich, dass es dort weitere, bislang unbekannte kleine Trabanten gibt, oder gar Ringe aus Staub und Gesteinsbrocken. Ein Zusammenstoß selbst mit einem nur Millimeter großen Steinchen wäre bei der gewaltigen Geschwindigkeit fatal für die Sonde.

Ende Januar begann sie deshalb mit dem Spezialteleskop „Lorri“ (Long Range Reconnaissance Imager), das Plutosystem zu beobachten. Die grobpixeligen Aufnahmen zeigen, wie Pluto durch die Schwerkraft des umkreisenden Mondes „Charon“ im Weltraum hin- und hergebeutelt wird. Lorri soll exakte Positionsdaten des Zwergplaneten und seiner Monde liefern und etwaige weitere kleine Körper und Ringe in seiner Umgebung aufspüren.

Pluto ist eine weitgehend unbekannte Welt

Auf Basis dieser Daten können Stern und seine Kollegen dann die Steuerung der Sonde anpassen, um einerseits einen ungefährlichen Kurs durch das Plutosystem zu finden und andererseits New Horizons in die beste Position für die Beobachtung des Zwergplaneten und seiner Monde zu bringen. Bislang ist Pluto für die Astronomen eine weitgehend unbekannte Welt. „Wir wissen über ihn etwa so viel wie über den Mars vor 50 Jahren, vor den ersten Missionen zum roten Planeten“, sagt Stern. Selbst das Weltraumteleskop „Hubble“ liefert nur Bilder mit großen, verschwommenen Flecken auf der Oberfläche des Zwergplaneten. Vermutlich besteht er aus Gestein und Eis und hat eine dünne Atmosphäre aus Stickstoff. Nun hoffen die Forscher auf eine vollständige Kartierung des Himmelskörpers und auf Detailbilder mit einer Auflösung von bis zu 25 Metern.

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