Reproduktion : Appetit beeinflusst das Geschlecht des Babys

Kalorienaufnahme vor der Empfängnis könnte den Unterscheid zwischen Mädchen und Jungen ausmachen.

Michael Hopkin

Eine neue Studie legt nahe, dass das Geschlecht eines Babys von der Ernährung der Mutter vor der Empfängnis beeinflusst wird. Laut einer Befragung von 740 werdenden Müttern in Großbritannien führt eine hochkalorische Ernährung eher zur Geburt eines Jungen.

Wissenschaftler unter der Leitung von Fiona Mathews von der Universität Exeter sammelten Daten über die Ernährungsgewohnheiten schwangerer Frauen vor der Empfängnis und fanden heraus, dass 56% der Frauen im oberen Drittel der Kalorienaufnahme einen männlichen Fötus austrugen. Im unteren Drittel gebaren nur 45% einen Jungen.

Frauen, die Geburtskliniken aufsuchten, wurden gebeten "rückblickende Tagebücher" über ihre Nahrungsaufnahme in den Wochen, bevor sie schwanger wurden, auszufüllen. Mathews und ihre Kollegen analysierten sie im Hinblick auf eine Beziehung zwischen Nahrungsaufnahme und Geschlecht des Kindes.

Die Höhe der Kalorienaufnahme war der wichtigste Faktor, der das Geschlecht des Kindes beeinflusste, sagten die Forscher, die ihre Ergebnisse in Proceedings of the Royal Society B (1) veröffentlichten. Insgesamt nahmen in Mathews Studie Frauen, die einen Sohn zur Welt brachten, durchschnittlich 180 Kalorien pro Tag mehr zu sich als Frauen, die eine Tochter gebaren - "das entspricht etwa einer Banane", sagt sie.

Faszinierenderweise schien der größte Unterschied zwischen Frauen zu bestehen, die regelmäßig Zerealien zum Frühstück aßen, und denen, die das nicht taten, fügt Mathews hinzu. Unter denen, die beinahe täglich Zerealien aßen, brachten 59% einen Jungen zur Welt im Gegensatz zu 43% der Frauen, die angaben "selten oder nie" zu frühstücken.

Süße Babys

Die Wissenschaftler sind unsicher, warum dies so ist, sie vermuten, dass es mit dem Glukosespiegel im Blut zusammenhängen könnte. Männliche Embryonen im Reagenzglas fordern in der Regel glukosereichere Nährmedien, um im Labor zu überleben. Mathews vermutet, dass ein ähnlicher Mechanismus auch im Uterus greifen könnte, so dass Frauen mit höheren Glukosespiegeln eher einen männlichen Embryo austragen, der sich im Uterus implantiert.

Mathews vermutet sogar, dass die Ernährungsweise junger westlicher Frauen das Geschlechterverhältnis zugunsten der Mädchen verschieben könnte. Sie zitiert eine Studie aus den USA, die zeigt, dass die durchschnittliche Kalorienaufnahme von Frauen in der Adoleszenz zwischen 1965 und 1996 um 17% zurückging.

Nicht klar ist, wie sich Überernährung auswirkt - die Studie schloss fettleibige Frauen aufgrund der mit ernstem Übergewicht einhergehenden gesundheitlichen Komplikationen aus.

Die Ergebnisse scheinen zu einer Theorie zu passen, nach der viele Tiere, und vielleicht auch Menschen, eher männliche Nachkommen hervorbringen, wenn die Versorgungslage mit Nahrung und Ressourcen gut ist. Man geht davon aus, dass es sich um eine Strategie handelt, die Genstreuung zu maximieren, da gesunde männliche Nachkommen weit mehr Nachkommen produzieren können als Weibchen.

Was Mütter essen

Es ist eine interessante Theorie, aber bei Weitem nicht bewiesen, sagt Paul Haggarty vom Rowett Research Institute in Aberdeen. "Es gibt einige plausible biochemische Mechanismen", sagt er - und weist darauf hin, dass es sich um eine eher kleine Studie handelte.

Haggarty fügt hinzu, dass seine eigenen Daten zu den Ernährungsgewohnheiten von etwa 1500 schottischen Müttern keinen Hinweis drauf geben, dass die Ernährung das Geschlecht des Kindes beeinflussen kann. "Aber wer weiß, vielleicht ergibt eine größere Datenmenge etwas Interessantes", meint er.

Nichts desto trotz zeichnen sich Belege dafür ab, dass man nicht nur "ist, was man isst", sondern dass auch die Ernährung der Mutter die eigene Gesundheit beeinflussen kann. Frühere Studien mit Mäusen haben gezeigt, dass die Fellfarbe davon abhängen kann, was die Mutter während der Schwangerschaft zu sich nimmt.

Haggarty würde darüber hinaus gern breiter angelegte Studien zum Effekt von Nahrungsergänzung wie Folsäure, die entscheidend für die Entwicklung eines gesunden Embryos ist, auf das Geschlecht sehen. Schwangere Frauen und solche, die es werden wollen, neigen dazu, mehr Nahrungsergänzung zu sich zu nehmen, als andere, sagt er.

Obwohl Mathews und ihr Team keine Daten zur Nahrungsergänzung sammelten, vermutet sie, dass Spurenelemente wie Kalium das Geschlecht des Babys beeinflussen, möglicherweise über einen Anstieg des Säuregehalts in der Gebärmutter.

(1) Mathews, F. , Johnson, P. J. & Neil, A. Proc. R. Soc. B. doi:10.1098/rspb.2008.0105 (2008).

Dieser Artikel wurde erstmals am 22.4.2008 bei news@nature.com veröffentlicht. doi: 10.1038/news.2008.769. Übersetzung: Sonja Hinte. © 2007, Macmillan Publishers Ltd

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