Wissen : Revolution war gestern

Mit dem Sohn von Rudi Dutschke in der Geschichtsausstellung der FU – Ein Rundgang

Oliver Trenkamp

Rudi-Marek Dutschke ist halb so alt wie das Gebäude, in dem er gerade steht. Er war nicht dabei, als sein berühmter Vater hier zum Marsch durch die Institutionen aufrief. Er war noch nicht einmal geboren. Jetzt steht er im Henry-Ford-Bau vor einem Foto seines Vaters, das ihn während einer Rede im Audimax zeigt. Bewegte Zeiten waren das damals. „Es ist schon ein komisches Gefühl, obwohl ich ihn noch nicht mal kennen gelernt habe“, sagt Dutschke.

Das komische Gefühl ist verständlich. Sein historisierter Vater Rudi Dutschke steht stellvertretend für eine Epoche an der Freien Universität Berlin. Die Studentenproteste in den sechziger Jahren, deren Galionsfigur er war, haben viel bewegt. Sie haben die Freie Universität und mit ihr die Gesellschaft verändert. An diese Zeit erinnern jetzt Bilder und Tafeln auf der Ausstellung „Zukunft von Anfang an“ zur Geschichte und zum Profil der FU. Der Besucher erfährt außerdem spannende Details zur Gründung der Universität unter widrigen Umständen im geteilten Berlin. Fotos dokumentieren die berühmten Gäste – von John F. Kennedy bis hin zur Kofi Annan. Ein weiterer Fokus liegt auf der Architektur und der Geschichte des „deutschen Oxfords“, wie die Freie Universität auch genannt wird.

Rudi-Marek Dutschke kennt die FU: Er war während eines Forschungsstipendiums hier und befasste sich mit Rechtsradikalismus in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Aufgewachsen ist er zum großen Teil in den USA, schließlich ist seine Mutter Amerikanerin. Dort studierte er Germanistik und Politik. Jetzt ist er Praktikant beim Auswärtigen Amt und arbeitet für die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen.

Seit er nach Deutschland kam, und auch optisch eindeutig als Sohn seines Vaters zu erkennen ist, wird er häufig auf seine Herkunft angesprochen. Viele wüssten heute gar nicht mehr, was damals genau passierte. Dass Rudi Dutschke im Jahr 1968 in den Kopf geschossen wurde, aber er erst 1979 starb. „Manche verwechseln ihn mit Benno Ohnesorg“, sagt der junge Dutschke. Mittlerweile hat er ein Buch geschrieben. „Spuren meines Vaters“ heißt es, und Rudi-Marek Dutschke setzt sich mit seinem Vater und der eigenen politischen Prägung auseinander. „Die politischen Situationen von damals und heute sind grundverschieden“, sagt er und findet, dass sein Vater und die 68er „einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft gehabt hatten“. Heute, glaubt er, würden Studenten neue Demonstrationsformen entwickeln – „ebenso kreativ und interessant wie früher.“ Nur: „Es gibt keine klaren Feindbilder mehr.“ Herauszufinden, wo die Grenzen der Demokratie liegen, das interessiert Dutschke. Das interessierte schon seinen Vater.

An dem bewundert der Sohn vor allem das rhetorische Talent. Und ein bisschen Stolz schwingt mit wenn er sagt: „Ich bin froh, dass mein Vater und seine Generation den Aufbruch aus einer maroden, spießbürgerlichen Gesellschaft gestaltet haben.“ Noch einmal schaut er auf ein großes Schwarz-Weiß-Bild, das die Proteste der Studierenden zeigt. Ihn wird der Henry-Ford-Bau immer an seinen Vater erinnern.

Die Ausstellung „Zukunft von Anfang an“ zur Geschichte und zum Profil der Freien Universität Berlin ist noch bis zum 20. Februar 2005 geöffnet. Montag bis Mittwoch von 9 bis 20 Uhr, Donnerstag und Freitag 9 bis 18 Uhr, Henry-Ford-Bau, Garystraße 35, 14195 Berlin-Dahlem, U-Bahnhof: Thielplatz. Im Internet unter: www.fu-berlin.de

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