RKI : Die Gesundheitszentrale

Das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin soll mehr Zuständigkeiten bekommen und zum umfassenden Bundesinstitut für die Gesundheit der Bevölkerung werden.

Adelheid Müller-Lissner

Wie der Tagesspiegel erfuhr, schlägt dies ein internationales Expertengremium vor. Dafür wären ab 2008 rund 150 neue Stellen und die Aufstockung des Jahresetats um über neun Millionen Euro nötig. Das Gremium, das sich mit der Neustrukturierung befasste, tagte unter Leitung des RKI-Präsidenten Reinhard Kurth und der Leiterin der Abteilung Prävention und Gesundheitsschutz am RKI.

International wird die Aufgabe des Gesundheitsschutzes der Bevölkerung meist unter dem Begriff „Public Health“ zusammengefasst. Die jetzige Bundesregierung hatte im Koalitionsvertrag festgehalten, dass die Schlüsselstellung des RKI „ausgebaut und institutionell gefördert“ werden solle.

Um seinen Standortvorteil als nationale Public-Health-Einrichtung im Zentrum Europas nutzen zu können, braucht das Institut nach Ansicht der Experten in vielen seiner Kernarbeitsbereiche zusätzliche Mitarbeiter. So will man sich verstärkt den Infektionen widmen, die Patienten im Krankenhaus erwerben und gegen die gängige Antibiotika nicht mehr wirken. Im klassischen RKI-Arbeitsbereich Infektionskrankheiten sollen außerdem die Informationen über Impfungen verstärkt werden. Zudem will man sich stärker dem Thema widmen, wie sich der Klimawandel auf Infektionskrankheiten auswirkt. Zusätzliche Mitarbeiter werden in absehbarer Zukunft auch für das Hochsicherheitslabor gebraucht werden.

Neben alten und neuen Krankheitserregern wie denen von Grippe, der Atemwegserkrankung Sars (Schweres akutes respiratorisches Syndrom) oder Aids (HIV) muss ein Bundesinstitut für die Gesundheit der Bevölkerung aber auch Volksleiden wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Krankheiten im Blick haben. Mit dem Kinder- und Jugendsurvey KiGGS (Survey entspricht Erhebung) hat das RKI für diese Altersgruppe schon wichtige Daten geliefert. Nun sollen dem Vernehmen nach neue Arbeitsgebiete hinzukommen, und zwar Depressionen und Altersdemenzen.

Außerdem will man sich beim RKI der Frage widmen, wie die genetischen Grundlagen für bestimmte Volksleiden in der Bevölkerung verteilt sind. Ausgebaut werden soll zudem der Themenbereich Umwelt und Gesundheit.

Nicht zuletzt wünscht sich das Expertengremium, dass das RKI personell mehr Möglichkeiten bekommt, um über Gesundheitsrisiken verständlich informieren und auf Ängste vor neuen und alten Krankheiten gezielt eingehen zu können. 

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