Rosetta-Mission : Lander „Philae“ ist aus dem Weltraumschlaf erwacht

Die Sonde „Rosetta“ soll im November einen Roboter auf einem Kometen absetzen, um ihn genau zu erforschen. Offenbar hat er die lange Reise gut überstanden.

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Wunschdenken. Die Sonde "Philae" soll auf dem Kometen Tschurjumow-Gerasimenko landen und ihn genauer untersuchen.
Wunschdenken. Die Sonde "Philae" soll auf dem Kometen Tschurjumow-Gerasimenko landen und ihn genauer untersuchen.Foto: ESA–C. Carreau/ATG medialab

Seit zehn Jahren kreist die europäische Raumsonde „Rosetta“ durchs All. Ihr Ziel ist der Komet Churyumov-Gerasimenko. Genauer als je zuvor wollen die Wissenschaftler den Eisklumpen erforschen, um mehr über die Entwicklung des Sonnensystems zu erfahren. Dafür wird Rosetta den Kometen von August an über Monate hinweg umkreisen und vermessen. Zudem soll im November der kühlschrankgroße Lander namens Philae auf dem Brocken abgesetzt werden. Es wäre das erste Mal, dass ein Roboter auf einem Kometen landet. 

Voraussetzung dafür ist, dass die Technik die lange Anreise unbeschadet überstanden hat. Um Strom zu sparen, hatten die Raumfahrtexperten Rosetta und Philae im Juni 2011 in eine Art „Weltraumschlaf“ versetzt. Im Januar begann das große Bangen: Wird die Sonde dank ihrer eingebauten Wecker wieder erwachen? Sie tat es. Am 20. Januar gab sie ein Lebenszeichen aus rund 810 Millionen Kilometern Entfernung. 

Sehnsüchtiges Warten auf ein Lebenszeichen

Nun sollte sich auch Philae zurück melden. Dazu hatten Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) eine Software zu Rosetta geschickt, damit sie ihre Landeeinheit aktivieren kann.

Am Freitag gegen 15.30 Uhr kamen die sehnsüchtig erwarteten Datenpakete auf der Erde an. "Philae ist in Betrieb und fit für die nächsten Monate", sagt der Lander-Projektleiter Stephan Ulamec vom DLR.

Nach diesem Erfolg beginnt jetzt die Detailarbeit für das Kontrollteam auf der Erde. In den nächsten vier Wochen werden Philae sowie seine zehn Messgeräte umfassend überprüft und für den Einsatz vorbereitet. 

Fliegende Kühltruhe

Dazu gehört etwa eine Sonde, die 30 Zentimeter tief in den Eisklumpen eindringen soll, um die Temperaturverteilung zu messen. Weiterhin ist ein Bohrer an Bord, der Proben aus dem Boden gewinnen soll, um sie in drei weiteren Instrumenten chemisch und physikalisch genauer zu analysieren. 

Churyumov-Gerasimenko ist für die Forscher deshalb so interessant, weil er wie alle Kometen einen Blick in die Frühzeit des Sonnensystems vor 4,6 Milliarden Jahren erlaubt. Wie fliegende Kühltruhen haben die Eisklumpen die ursprüngliche Materie aus dieser Zeit konserviert. Planeten wie die Erde oder der Mars haben sich im Lauf der Jahrmillionen stark verändert – die Kometen aber kaum. Es gibt aber noch weitere Fragen, die die Wissenschaftler umtreiben. Etwa die, ob das Wasser auf der Erde von Zusammenstößen mit Kometen stammen könnte. Rosetta und Philae sollen helfen, Antworten darauf zu finden. 

Die Mission wird betrieben von der europäischen Raumfahrtagentur Esa sowie der Nasa. Maßgeblich beteiligt ist Deutschland mit Experimenten des DLR, des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau, der TU Braunschweig sowie der Universitäten in Köln und Mainz. Die Gesamtkosten betragen rund eine Milliarde Euro.

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