Rückschlag : Impfstoff gegen TBC fällt durch

Viele Kinder in der Dritten Welt brauchen dringend eine bessere Impfung gegen Tuberkulose. Doch die Forschung tritt weiter auf der Stelle.

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Nichts Neues seit 1921, die Entwicklung einer besseren Impfung gegen Tuberkulose kommt nicht voran. Daran ändert offenbar auch MVA85A nichts – ein Impfstoff, der die Infektion in Tests an Tieren und Erwachsenen effektiv verhinderte und viele Forscher optimistisch stimmte. Doch wie Helene McShane und ihre Kollegen von der Universität Oxford im Fachblatt „Lancet“ berichten, ist es für Kinder einerlei, ob sie nur die alte BCG-Impfung oder eine Kombination aus BCG und neuem Impfstoff bekommen.

Dabei hat die mehr als 90 Jahre alte BCG-Impfung etliche Nachteile: Der Lebendimpfstoff aus abgeschwächten Rindertuberkelbazillen schützt nur unzuverlässig gegen TBC, Lungentuberkulose kann er gar nicht verhindern, für HIV-Infizierte wird er nicht empfohlen. Und während man die „Schwindsucht“ in den meisten Industrieländern fast nur noch aus Büchern oder Opern kennt, wütet sie anderswo weiter. Allein 2011 wurden 8,7 Millionen Tuberkulosefälle gezählt, etwa 1,4 Millionen Menschen starben daran. Die langwierige Behandlung wird durch Resistenzen immer komplizierter.

Die Forscher um McShane gaben fast 1400 südafrikanischen Kindern nur die BCG-Impfung, fast 1400 andere bekamen BCG und MVA85A. 37 Monate lang verfolgten sie ihr Schicksal. Die Kinder vertrugen den Impfstoff gut, schreiben die Forscher. Dennoch war das Ergebnis ernüchternd: In beiden Gruppen erkrankten mehr als 30 Kinder an Tuberkulose, obwohl sie geimpft waren.

Trotzdem müsse das für MVA85A nicht das Aus bedeuten, gab Christopher Dye von der Weltgesundheitsorganisation in einem Kommentar zu bedenken. Möglicherweise schütze die Impfung gegen schwere Verläufe der Krankheit oder sei als Einzelimpfstoff für HIV-Infizierte eine Alternative. Er schreibt: „Die Geschichte der Tuberkulose-Impfstoffforschung lehrt uns, dass wir auf Überraschungen gefasst sein müssen.“

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