Russische Hochschulen : Deutsche Dozentin als "Illegale" ausgewiesen

Russland erschwert die Arbeitsbedingungen für ausländische Lehrkräfte. Eine neue Verordnung könnte dazu führen, dass sich russische Hochschulen von ihren deutschen Dozenten verabschieden müssen, befürchten russische Hochschulexperten.

Victor Trofimov

Seit Ende vergangenen Jahres setzt das Migrationsamt beim russischen Innenministerium in Moskau einen Regierungserlass über „die Arbeitserlaubnis für ausländische Bürger“ rigoros um. Wie alle Unternehmen und Einrichtungen müssen sich Hochschulen um Ausländerquoten bewerben. Unis, die dies versäumen, erhalten neuerdings Strafbefehle der Moskauer Staatsanwaltschaft – wegen „Anwerbung illegaler Arbeitskräfte“. Ursprünglich habe sich das Gesetz nicht gegen die Wissenschaft gerichtet, es sollte in erster Linie die illegale Arbeitsmigration aus Mittelasien eindämmen, sagt Thomas Prahl, Referatsleiter Russland beim DAAD in Bonn.

Doris Dold wurde jetzt das erste akademische Opfer der neuen Verordnung. Die Kieler Slawistin hatte seit einem Jahr an der Staatlichen Universität in Uljanowsk als Lektorin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) deutsche Sprache und Kultur unterrichtet. Dold war mit ihren Arbeits- und Lebensbedingungen in Russland zufrieden und wollte ihren Vertrag verlängern. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel kam ein Gespräch mit dem Rektor der Uni kurz vor Weihnachten. Der Rektor teilte der Lektorin mit, dass ihr Visum für ungültig geklärt wurde und er den Arbeitsvertrag kündigen müsse.

Drei Tage hatte Dold, um ihre Sachen zu packen und Russland zu verlassen. Der Universität seien 1,6 Millionen Rubel (knapp 40 000 Euro) Strafe angedroht worden, sagt Prahl. Die Hochschule sei wie andere Unis auch davon überrascht worden, dass die Bestimmungen zur Arbeitsmigration sie tatsächlich treffen. Bei neuen Verträgen verlange der DAAD nun vorab die Zustimmung des Migrationsamtes. In Kaliningrad, wohin Doris Dold versetzt werden soll, habe das jetzt geklappt. Im vergangenen Jahr konnte dort ein DAAD-Lektor seine Arbeit wegen der Verordnung nicht aufnehmen.

Die Hochschulexperten, die anonym bleiben wollen, glauben, dass die Durchsetzung der Quotenregelung an den Unis Teil eines Machtspiels gegen den russischen Präsidenten Dimitri Medwedew ist. Er hatte im November vergangenen Jahres für die Einstellung ausländischer Lehrkräfte an russischen Unis geworben. International renommierte Professoren sollten das korrupte russische Hochschulsystem aus der Krise führen. Dieser Appell stieß in der konservativen russischen Politik und Bildungselite auf breite Ablehnung. Dass seit Medwedews Rede Verstöße gegen das Ausländerrecht auch an Hochschulen mit hohen Strafen geahndet würden, richte sich gegen dessen Modernisierungsstrategie.

0 Kommentare

Neuester Kommentar