Sanfter Übergang : Schnuppern statt Schock: Kindergärten als Bildungseinrichtungen

Damit der Übergang vom Kindergarten in die Grundschule zu keinem Schockerlebnis wird, sollte man Kinder optimal auf die Grundschule vorbereiten. – Ein Plädoyer für einen sanften Übergang.

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Unter die Lupe nehmen sollten Kinder, Eltern und Erzieher die künftige Schule.
Unter die Lupe nehmen sollten Kinder, Eltern und Erzieher die künftige Schule.Foto: dpa

Schon die Kindergärten sind heute Bildungseinrichtungen. Da sollte die Einschulung kein Schockerlebnis mehr sein für die Fünf- bis Sechsjährigen. Wie jedoch der gleitende Übergang auf die Grundschule noch besser als bisher gestaltet werden kann, haben Grundschulpädagogen in einem länderübergreifenden Forschungsprojekt erkundet, an dem unter anderem Berlin und Thüringen beteiligt sind. Auf dem Berliner Grundschultag an der Humboldt-Universität berichteten jetzt Sabine Lingenauber und Janina von Niebelschütz (beide Hochschule Fulda) von erfolgreichen Übergangsszenarien in Thüringen.

Der Wechsel auf die Grundschule sollte durch regelmäßige Hospitationen von Lehrern in Kindergärten und von Erziehern in der Grundschule vorbereitet werden, raten die Expertinnen. Ein Ziel ist es, bei allen Beteiligten Begeisterung für den baldigen Schulanfang zu wecken – auch bei den Eltern. Doch vor allem die Kinder müssen aktiv beteiligt werden. Sie bewegt vor allem die Frage, ob ihre Kindergartenfreunde auf dieselbe Grundschule kommen. Ist dies nicht möglich, sollten sie jedenfalls erfahren, dass sie dort auch neue Freundschaften schließen können.

Um die Schule und die künftige Lehrkraft kennenzulernen, empfehlen die Expertinnen Schnupperwochen. Kita- und Grundschuleltern sollen sich bei gemeinsamen Elternversammlungen kennenlernen. Beim Übergang helfen können auch Grundschulkinder aus den zweiten und dritten Klassen. Erfahren die Kitaeltern von ihnen, wie sie Lesen, Schreiben und Rechnen gelernt haben, können sie sich besser mit dem anfreunden, was auf ihr eigenes Kind zukommt. Genauso habe sich die Zusammenarbeit von erfahrenen Grundschulkindern mit den Neulingen bewährt, sagen Lingenauber und von Niebelschütz. Ältere Schüler können den Schulanfängern beim Ausmalen oder der Zuordnung von geometrischen Figuren helfen.

Wichtig ist schließlich auch, dass die Grundschullehrer ihre neuen Erstklässler schon vor der Einschulung kennenlernen. Ein guter Termin für Übergabegespräche mit Erziehern, Eltern und Lehrkräften seien die Osterferien. Zum Abschluss sollten die Kinder eine Lerngeschichte über ihre Kindergartenzeit erhalten. Ihre Empfehlungen vermitteln Lingenauber und von Niebelschütz auch in ihrem „Übergangsbuch“, das 2010 im Cornelsen-Verlag erschien.

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