Wissen : Scheeres’ Ahnenreihe

Nicht alle Wissenschaftssenatoren waren Stars.

Riedmüller
Riedmüller

„Unter einem vom Kaliber Jürgen Zöllners kann Berlin es nicht machen“ – so klingt es aus Wissenschaftskreisen, seit bekannt ist, dass die neue Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD) heißt. In der Geschichte des Berliner Senats gab es allerdings schon häufiger Senatoren, die nicht als Stars angetreten waren und doch gute Arbeit geleistet haben. Und unter jenen, die als Hoffnungsträger antraten, erfüllten manche die hohen Erwartungen nicht.

   Peter Glotz (SPD) wurde 1977 unter Dietrich Stobbe Senator für Wissenschaft und Forschung in West-Berlin und blieb es bis 1981, als schon Hans-Jochen Vogel regierte. Linksradikale Studierende gaben den Ton an den Universitäten an. Unliebsame Politiker oder Professoren wurden niedergebrüllt. Glotz gelang es gemeinsam mit den Uni-Präsidenten Eberhard Lämmert (FU) und Rolf Berger (TU), das Auftrittsverbot aufzubrechen. Glotz ist auch die Gründung des Wissenschaftskollegs in Berlin zu verdanken.

Auf Glotz folgte Günter Gaus (SPD) als Senator für Wissenschaft und Kunst. Er blieb zu kurz, um Spuren zu hinterlassen.

Nach Gaus kam 1981 Wilhelm Kewenig (CDU), der das Amt bis 1986 innehatte, zuerst unter Richard von Weizsäcker, dann unter Eberhard Diepgen. Kewenig trat als Hardliner auf, sein Kampf galt den Hochschulen als „Freigehege für Rechtsbrecher“. Kewenig schob auch die Gründung der Wissenschaften und die Umwandlung des Rudolf-Virchow-Krankenhaus in Berlin-Wedding zu einem modernem Universitätsklinikum an.

   Zum Erfolg brachte diese Projekte aber erst George Turner (parteilos für die CDU). Er wurde 1986 von Diepgen ins Amt des Senators für Wissenschaft und Forschung geholt. Turner konnte auf seine Erfahrungen als Chef der Westdeutschen Rektorenkonferenz zurückgreifen. Er bleibt in guter Erinnerung für seine solide Hochschulpolitik, in der er vor allem Wert auf gute Berufungen legte.

   Barbara Riedmüller-Seel (SPD) wurde unter Walter Momper im Jahr 1989 Senatorin für Wissenschaft und Forschung. Ihr traute man eine Menge zu, doch der Koalitionspartner, die Alternative Liste (AL), bremste sie aus. Im Hochschulgesetz kam es zu übertriebenen Mitbestimmungsregelungen. Riedmüller-Seel musste auch um das Hahn-Meitner-Institut kämpfen, weil es der AL wegen seines Forschungsreaktors nicht gefiel.

Nach der SPD-AL-Regierung kam wieder Diepgen an die Macht. So wurde Manfred Erhardt (CDU) 1991 Senator für Wissenschaft und Forschung. Er nutzte die Chance der Wiedervereinigung, indem er den Wissenschaftspark Adlershof mit aus der Taufe hob und die Abwicklung der Charité in Mitte verhinderte.

Sein Nachfolger Peter Radunski (CDU), von 1996 bis 1999 Senator für Wissenschaft und Kunst, interessierte sich mehr für Opern als für Hochschulen und wurde als „Zigeunerbaron“ verspottet. Immerhin verankerte er die „Erprobungsklausel“ im Hochschulgesetz. Die Hochschulen, gebeutelt von dramatischen Spareinschnitten, konnten so wenigstens das damals bundesweit höchste Maß an Autonomie bekommen.

Es folgten Christa Thoben (CDU), Christoph Stölzl (CDU) und Adrienne Goehler (Grüne). Sie regierten so kurz, dass sie der Berliner Wissenschaftsgeschichte nicht einmal eine Fußnote hinzugefügt haben. Danach, 2002, kam Thomas Flierl (PDS). Er konnte eine neue Sparrunde bei den Hochschulen nicht verhindern, kämpfte aber erfolgreich für die Erhaltung des Uniklinikums Franklin.

Was die neue Senatorin Sandra Scheeres (SPD) aus ihrem Amt macht, wird sich zeigen. Leicht wird es für sie aber nicht. Denn ein riesiges Super-Ressort, zu dem auch das schwierige Schulwesen gehört, hatte keiner ihrer Vorgänger als Wissenschaftssenator zu betreuen – bis auf Super-Senator Zöllner. U.S./akü

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