Schlafkrankheit : Das Erbgut der Tsetsefliege ist entschlüsselt

Es gibt keine Impfung, um sich vor der Schlafkrankheit zu schützen. Nun soll das Erbgut des einzigen Überträgers des Erregers - der Tsetsefliege - dabei helfen, die Infektionskrankheit zu besiegen.

Tsetsefliege
Gefährlich. Durch den Stich einer Tsetsefliege infizieren sich Menschen mit dem Erreger der Schlafkrankheit.Foto: dpa

Sie werden schläfrig, hinzu kommen Lähmungen und Krämpfe. Unbehandelt gilt die Schlafkrankheit als tödlich. Etwa 20 000 Menschen stecken sich jedes Jahr an, 170 Millionen Menschen südlich der Sahara sind von der Infektionskrankheit bedroht. Es gibt keine Impfung, die sie schützen könnte. Zugelassene Medikamente haben schwere Nebenwirkungen. Außerdem gebe es immer häufiger resistente Erregerstämme, schreiben Forscher im Fachblatt „Science“.

Sie wollen die Verbreitung der Schlafkrankheit stoppen. Mehr als 140 Wissenschaftler aus 18 Ländern haben deshalb in fast zehn Jahren Arbeit das Erbgut der Tsetsefliege entschlüsselt, dem einzigen Überträger des Erregers. So können sie den Stoffwechsel, das Immunsystem und die Sinneswahrnehmungen der Insekten besser verstehen und leichter die Schwachstellen der Insekten finden.

Tsetsefliegen sind afrikanische Stechfliegen, die sich ausschließlich von Blut ernähren. Sie übertragen die Trypanosomen, die bei Menschen die Schlafkrankheit und bei Tieren die Nagana-Seuche verursachen. Die Insekten legen keine Eier, sondern gebären ihren Nachwuchs lebend. Sie füttern ihre im Rumpf heranwachsenden Larven mit einem Sekret aus Milchdrüsen, das Muttermilch ähnelt.

Man könnte Tsetsefliegen unfruchtbar machen

Auf die zwölf Gene für die Milchproduktion entfalle in dieser Zeit mehr als die Hälfte der Erbgutaktivität, schreiben die Forscher. Insgesamt fanden sie 12 000 Gene. Das Sehsystem von Tsetsefliegen ähnelt demnach dem von Stubenfliegen. Interessant seien auch die Gene für Speichelbestandteile, mit denen die Fliegen die Blutgerinnung ihrer Opfer hemmen.

Noch sei das kein direkter Fortschritt im Kampf gegen die Schlafkrankheit, sagt Christian Meyer vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg. Zwar sei denkbar, dass man jetzt bessere Insektizide entwickeln könne. Doch diese müssten auf riesigen Flächen ausgebracht werden. „Das ist nicht machbar“, sagt Meyer. Man könnte auch gentechnisch veränderte Tsetsefliegen züchten, die sich nicht fortpflanzen können oder den Erreger schlechter übertragen. Allerdings müssten sie sich gegen ihre natürlichen Artgenossen durchsetzen. dpa

2 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben