Wissen : Schlafmangel schädigt Hirngewebe

Chronischer Schlafmangel führt möglicherweise zu Gewebeschäden im Gehirn. Schon nach einer einzigen durchwachten Nacht enthielt das Blut ihrer Versuchsteilnehmer erhöhte Spiegel zweier Eiweiße, die normalerweise nur im Innern von Gehirnzellen zu finden sind, schreiben schwedische und englische Forscher im Fachmagazin „Sleep“. „Unsere Resultate deuten darauf hin, dass Schlafmangel neurodegenerative Prozesse fördert“, sagt Christian Benedict von der Universität Uppsala in Schweden. Eine mögliche Erklärung für diesen Effekt sei, dass der Energiestoffwechsel im Gehirn nicht gedrosselt werde.

Die Forscher führten ihr Experiment mit 15 jungen Männern durch, die bei zwei Gelegenheiten im Schlaflabor übernachteten. Bei einem dieser Termine konnten die Teilnehmer acht Stunden lang durchschlafen. Bei dem anderen mussten sie sich unter Aufsicht mit Büchern, Spielen und Filmen wach halten.

Im Laufe der durchschlafenen Nacht sank die Konzentration der Neuronenspezifischen Enolase (NSE) im Blut der Teilnehmer um zehn Prozent. Dagegen stieg sie in der durchwachten Nacht um etwa zehn Prozent (von durchschnittlich elf auf unter zehn bzw. auf zwölf Nanogramm pro Milliliter). Ein ähnlicher, wenn auch schwächerer Effekt zeigte sich im Fall eines Eiweißes namens S-100B. Die Spiegel beider Eiweiße werden von Neurologen auch genutzt, um die Gewebeschädigung nach einem Schlaganfall oder Schädel-Hirn-Trauma abzuschätzen.

Im Schlaf sinke der Energieumsatz des Gehirns typischerweise um 30 Prozent, schreiben Benedict und seine Kollegen. Ein Grund dafür sei die reduzierte Weiterleitung und Verarbeitung äußerer Sinneseindrücke. Bleibe die Gehirntätigkeit dagegen auf einem hohen Niveau, könnten sich weiterhin schädliche Nebenprodukte des Energiestoffwechsels im Gewebe ansammeln und so das Absterben von Gehirnzellen begünstigen, vermuten die Forscher. Allerdings sei es auch denkbar, dass Schlafmangel die Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke erhöhe und auf diese Weise die Spiegel der beiden Proteine im Blut ansteigen lasse, räumen die Wissenschaftler ein. JKM

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