• Schlüsselübergabe im Lesesaal der Staatsbibliothek: „Monumental, aber nicht gigantoman“

Schlüsselübergabe im Lesesaal der Staatsbibliothek : „Monumental, aber nicht gigantoman“

Deutschlands "größte Universalbibliothek" soll nach acht Jahren Bauzeit im März wieder eröffnen - zumindest teilweise. Am Montag wurde der Schlüssel zum neuen Allgemeinen Lesesaal der Staatsbibliothek Unter den Linden übergeben - einem 400-Millionen-Euro-Projekt, das dem Zeitalter der Digitalisierung trotzt.

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Meister-Saal. Architekt HG Merz entwarf den neuen zentralen Lesesaal für die Staatsbibliothek Unter den Linden als kubischen Lichtkörper. Von außen milchig-weiß leuchtend, dominieren im Innenraum warme orange-rote Farben und Holztöne. Unter der Decke des Lesesaals hängt – als Kunst am Bau – eine Papierskulptur von Olaf Metzel.Alle Bilder anzeigen
Foto: Thilo Rückeis
10.12.2012 21:18Meister-Saal. Architekt HG Merz entwarf den neuen zentralen Lesesaal für die Staatsbibliothek Unter den Linden als kubischen...

Um Bücher zu lesen, war Hermann Parzinger zuletzt im Sommer in der Staatsbibliothek, im Kulturforum an der Potsdamer Straße. Denn der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz arbeitet an einem neuen Buch. An diesem winterlichen Montag steht er nun erneut im Foyer der Staatsbibliothek – Unter den Linden dieses Mal, inmitten von einigen hundert Gästen. Gefeiert wird die Schlüsselübergabe für den wiedererstandenen Allgemeinen Lesesaal. Und der orange-rot leuchtende Bodenbelag des gläsernen Neubaus im Herzen von Deutschlands „größter Universalbibliothek“ lässt die lange Bauzeit seit 2004 fast vergessen.

Auf 406 Millionen Euro schätzen die Projektverantwortlichen die Kosten für die Generalsanierung des wilhelminischen Baudenkmals Unter den Linden, das nach Plänen von Ernst von Ihne im Jahr 1913 eröffnet wurde. Im Jahr 2016 wird die Sanierung des im Krieg beschädigten und zu DDR-Zeiten notdürftig reparierten „Haus 1“ der Staatsbibliothek abgeschlossen. Der von HG Merz entworfene neue zentrale Lesesaal soll im März kommenden Jahres für seine ungeduldig wartenden Nutzer öffnen. Denn die Staatsbibliothek, die mehr Fläche hat als der Reichstag, wird bei laufendem Betrieb saniert – und etappenweise übergeben.

Merz’ Lesesaal ist im wilhelminischen Ensemble das deutlichste Zeichen der Erneuerung. Die dreischichtige milchig-weiße Fassade besteht aus heißverformtem Glas. Im Inneren sind transluzente weiße Gewebebahnen vor die Glasflächen gespannt. Sie filtern das Tageslicht, den Büchern zuliebe. Und das harmoniert auch mit den warmen Farben und den Holztönen des Mobiliars. Merz’ Sinn für Dramaturgie zeigt sich beim Aufstieg vom Foyer die Treppe hinauf. Es ist ein Erlebnis, wie man vom düsteren Inneren des Gebäudes hoch ans Licht gelangt, ans Tageslicht – und zum Licht der Erkenntnis, dank der Sammlung der Staatsbibliothek.

Der neue Lesesaal der Staatsbibliothek
Meister-Saal. Architekt HG Merz entwarf den neuen zentralen Lesesaal für die Staatsbibliothek Unter den Linden als kubischen Lichtkörper. Von außen milchig-weiß leuchtend, dominieren im Innenraum warme orange-rote Farben und Holztöne. Unter der Decke des Lesesaals hängt – als Kunst am Bau – eine Papierskulptur von Olaf Metzel.Alle Bilder anzeigen
1 von 8Foto: Thilo Rückeis
10.12.2012 21:18Meister-Saal. Architekt HG Merz entwarf den neuen zentralen Lesesaal für die Staatsbibliothek Unter den Linden als kubischen...

Der Allgemeine wird von weiteren Lesesälen flankiert. Fertiggestellt ist auch der „Rara-Raum“, in dem die Architekten historische Bausubstanz wie Säulen und ein Gemälde mit moderner Ausstattung und einer Wandapplikation verbunden haben, einem schwarz-weißen Raster mit vereinzelt beleuchteten Elementen. Sein Konzept sei von Goethes Farbenlehre inspiriert, sagt HG Merz.

Noch fehlen die Bücher, bis März sollen 11 000 Bände aufgestellt sein – und die 250 Arbeitsplätze im Allgemeinen Lesesaal eingerichtet sein. 140 davon werden Forschern vorbehalten sein, die ein Projekt vorweisen können. Es sollen 19 Arbeitskabinen, die man mieten kann, bereitstehen, dazu zehn Rechercheplätze mit PC und ein Blindenarbeitsplatz. Die mit Tischen, Stühlen und Regalen ausgestatteten Säle, die Tresormagazine in den Kellergeschossen und auch das neue Digitalisierungszentrum können am Sonnabend, dem 15. Dezember, bei einem Tag der offenen Tür besichtigt werden.

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