Schule : Lehrermangel im Westen

Zurzeit fehlen an den deutschen Schulen 25 000 Lehrer, auf mittlere Sicht könnten es sogar 50 000 sein, schätzt der Deutsche Philologenverband.

Uwe Schlicht

Viele Lehrer erreichten demnächst das Pensionsalter, sagte der Vorsitzende des Verbandes, Heinz-Peter Meidinger am Donnerstag in Berlin. Zudem sei die Zahl der Studienanfänger wegen der einst hohen Lehrerarbeitslosigkeit stark zurückgegangen. Die Arbeitslosigkeit erreichte 1998 mit 25 300 Lehrern ihren Höhepunkt – der abschreckende Effekt wirkt bis heute nach. 2008 waren nur noch 4724 arbeitslos. Die Zahl der Studienanfänger ging auf 35 000 Erstsemester zurück, erst seit kurzem ist sie wieder auf 55 000 gestiegen.

Weil bis 2020 bundesweit rund 350 000 Lehrkräfte in den Ruhestand gehen, müssten mindestens 300 000 Junglehrer neu eingestellt werden, hieß es. Das entspricht einem Jahresbedarf von durchschnittlich 30 000 Stellen. Der Philologenverband wirft der Kultusministerkonferenz (KMK) vor, auf diese vorhersehbare Entwicklung nicht mit einem längerfristigen Programm reagiert zu haben. So gebe es kaum vorsorgliche Einstellungen über den aktuellen Bedarf hinaus, um gute Nachwuchskräfte am Abwandern in andere Berufe zu hindern.

Besonders gravierend ist der Lehrermangel in den Naturwissenschaften, der Informatik und der Mathematik. Unter den Studienanfängern dominieren Fächerkombinationen wie Deutsch und Fremdsprachen oder Gesellschaftswissenschaften. Unter den derzeit 260 000 Lehrer-Studenten haben nur 23 000 Mathematik gewählt. Die Situation ist in den Ländern unterschiedlich: Einen hohen Lehrerbedarf haben Bayern, Baden-Württemberg und Hessen. Berlin hat zum neuen Schuljahr wie berichtet 300 befristete Stellen zu vergeben. In Ostdeutschland werden wegen des Geburtenrückgangs nach der Wende erst um 2015 in größerem Umfang neue Lehrer benötigt.

Durch den Lehrermangel drohten die Kürzung von Pflicht- und Wahlunterricht, die Erhöhung der Klassenstärken sowie ein erhöhter Stundenausfall, weil Vertretungsreserven fehlten, warnt der Philologenverband. Meidinger forderte die KMK auf, eine Lehrerarbeitsbörse im Internet einzurichten.

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