Wissen : Schulreform light im Südwesten

Schulreform im Südwesten Deutschlands: Will Baden-Württemberg die Hauptschule abschaffen?

Amory Burchard

„Abschaffen hieße den Schulträgern etwas vorzuschreiben“, sagte Sprecher Hansjörg Blessing dem Tagesspiegel. Es gehe dem Land weiterhin um eine „Aufwertung der Hauptschulen“. Wie in einem Teil der Donnerstagsausgabe berichtet, plant Kultusminister Helmut Rau (CDU) zweizügige Hauptschulen in Werkrealschulen umzuwandeln. Sie ermöglichen jedem Schüler den Mittleren Abschluss nach der 10. Klasse, bieten aber weiterhin den Hauptschulabschluss nach der 9. an. Die Umwandlung ist für die Schulen freiwillig. Einzügige Schulen – gut die Hälfte der 1200 Hauptschulen – sollen nicht umgewandelt werden. Sie können untereinander fusionieren und erst dann die Mittlere Reife anbieten.

Obwohl es weiterhin Hauptschulen geben wird, soll die Hauptschulempfehlung 2010/11 abgeschafft werden. Und die Hauptschulen, die begabte Schüler nach einer Kompetenzprüfung in der 7. Klasse zum Mittleren Abschluss führen, heißen künftig „Werkrealschule“. „Unter diesem Label schaffen wir jetzt einen eigenen Bildungsgang“, sagte Blessing. Werkrealschulzüge gibt es bereits an 370 Hauptschulen Baden-Württembergs.

Im Mai 2007 hatten 100 Schulleiter in einem Brief an Kultusminister Rau den „überfälligen Wechsel“ zur Gemeinschaftsschule und damit ein „längeres gemeinsames Lernen“ gefordert. Rau wies den Vorstoß zurück, es bleibe beim dreigliedrigen Schulsystem. Statt dessen startete Baden-Württemberg ein 26-Millionen-Euro-Programm für die Hauptschulen: Pädagogische Assistenten sollen die Hauptschüler individuell fördern und vor allem in Kernfächern ausbildungsfähig machen. An bis zu zwei Tagen pro Woche sollen die Schüler in der 8. und 9. Klasse in Betrieben lernen. Eine solche Verzahnung gehöre auch zum Konzept der Werkrealschulen, heißt es.

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