Schweinegrippe : EU hält jeden dritten Europäer für gefährdet

EU-Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou warnt davor, die Schweinegrippe zu unterschätzen. Sie rechnet mit vielen Toten – und einem Wettlauf um den Impfstoff.

Aus Sicht von EU-Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou besteht die Gefahr, dass sich jeder dritte Europäer mit der Schweinegrippe infiziert. Außerdem unterschätzten viele Menschen die Gefährlichkeit der Grippe: "Es ist zu befürchten, dass sich das Virus im Laufe der kommenden Monate verändert und deutlich aggressiver wird", sagte die Europa-Politikerin aus Zypern der Tageszeitung Die Welt. "In diesem Fall wird man leider auch mit einer erheblichen Zahl von Toten rechnen müssen."

Nach Angaben der EU-Kommission könnte es innerhalb der EU durchaus zu einem Wettlauf um den Impfstoff kommen. Vassiliou: "Wenn sich das Virus ausbreitet und aggressiver wird, könnte es durchaus einen Wettbewerb zwischen den Ländern um den Impfstoff geben. Möglicherweise wird aber nur eine Impfung, anstatt wie bisher geplant zwei Impfungen notwendig sein – das wird in Kürze von den europäischen Gesundheitsbehörden entschieden. Es wäre gut, wenn diejenigen Staaten, die dann über zu viel Impfstoff verfügen, etwas davon abgeben könnten an die Länder, die zu wenig haben."

Die EU-Gesundheitskommissarin warnte außerdem vor den Folgen der Schweinegrippe für die Konjunktur: "Man darf die möglichen wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Schweinegrippe-Pandemie nicht vernachlässigen. Die wirtschaftliche Erholung in der EU könnte durch die Schweinegrippe geschwächt werden. Bestimmte Wirtschaftszweige, wie Tourismus oder Freizeitindustrie, könnten Einbußen erleiden."

Wirtschaftsforscher rechnen jedoch damit, dass die Konjunktur in Deutschland durch die Schweinegrippe kaum abgeschwächt wird. Bei der Notfallplanung in den Betrieben und der Krankenversorgung gebe es aber noch bedenkliche Lücken, heißt es in einer Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), der Beratungsgesellschaft ADMED und der Allianz-Versicherung. "Die Schweinegrippe dürfte der sich gerade abzeichnenden wirtschaftlichen Erholung im Herbst keinen allzu derben Dämpfer verpassen", sagte der RWI-Gesundheitsexperte Boris Augurzky.

In Deutschland hat die Massenimpfung gegen die Schweinegrippe am Montag begonnen. In den Bundesländern stehen erste Impfdosen bereit.

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa

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