Schweinegrippe : Virologe Kekulé: Ich lasse mich impfen

Der Institutsdirektor und Professor für Medizinische Mikrobiologie in Halle, Alexander Kekulé, erwartet keine schweren Nebenwirkungen durch den Impfstoff gegen die Schweinegrippe.

Kai Kupferschmidt

Der Institutsdirektor und Professor für Medizinische Mikrobiologie in Halle, Alexander Kekulé, erwartet keine schweren Nebenwirkungen durch den Impfstoff gegen die Schweinegrippe. Der Impfstoff sei an vielen Menschen getestet worden und er habe deswegen keine Sicherheitsbedenken. „Mein Argument gegen diesen Impfstoff ist, dass er häufiger leichte Nebenwirkungen wie Schwellung an der Einstichstelle und leichtes Fieber verursacht“, sagte der Wissenschaftler. Das sei nicht schlimm, aber es reiche aus, um Menschen zu beunruhigen und senke so die Impfbereitschaft.

Er selbst werde sich impfen lassen, weil er die leichten Nebenwirkungen in Kauf nehme. Für Kinder und Schwangere sei die Abwägung schwieriger, weil der Impfstoff an Kindern wenig und an Schwangeren kaum getestet worden sei. „Am besten wäre meiner Meinung nach ein Impfstoff ohne Wirkverstärker, aber so lange wir den nicht haben, würde ich Kinder ab sechs Jahren auch mit Wirkverstärker impfen lassen“, sagte Kekulé. „Bei Kindern unter sechs Jahren finde ich die Datenlage aber zu dünn, um eine groß angelegte Impfung zu verantworten.“ Schwangeren rät Kekulé, Kontakt mit Überträgern zu vermeiden. Wenn das nicht gehe, „ist eine Impfung das kleinere Übel“.

Auch der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sprach sich für die Impfung aus. „Es besteht zwar kein Anlass zur Hysterie, aber man sollte die Schweinegrippe nicht unterschätzen“, sagte er. Die Erfahrungsberichte aus den USA, England und Frankreich zeigten, dass in der Altersgruppe der 30 bis 45-Jährigen – einer ansonsten gesundheitlich sehr robusten Bevölkerungsgruppe – besonders schwere Verläufe der Grippe zu beobachten seien. Vor allem Risikopatienten wie Asthmatikern, Zuckerkranken und Rheumatikern sei eine Impfung zu empfehlen, Eltern würde er raten, „zumindest das Gespräch mit dem Kinderarzt zu suchen“.

Einer Studie des Versicherers Allianz und des Rheinisch Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) zufolge bestehen im deutschen Mittelstand und bei Krankenhäusern gravierende Defizite in ihrer Notfallplanung bei einer ausufernden Influenza-Pandemie. Insbesondere gäbe es nicht genug Personal, Beatmungsplätze und Intensivbetten.

Die EU-Kommission warnt vor einer Unterschätzung der Schweinegrippe. Es sei zu befürchten, dass sich fast jeder dritte Europäer anstecken könne, wenn sich das Virus in den kommenden Monaten verändere und deutlich aggressiver werde, sagte EU-Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou der „ Welt“. Weltweit sind bislang rund 400 000 Personen erkrankt und 5 000 Menschen gestorben. In Deutschland ist die Seuche mit 23 000 offiziell Erkrankten und drei Toten noch glimpflich verlaufen.

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