Seuche : Erneut Maul- und Klauenseuche in Großbritannien

Labor rückt in den Fokus, nachdem die Seuche auf einer Farm entdeckt wurde.

Daniel Cressey

In Großbritannien ist erneut die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen, nachdem bereits 2001 ein Ausbruch verheerende Folgen für die dortige Landwirtschaft hatte. Am 3. Juli bestätigte das Ministerium für Umwelt, Lebensmittel und Landwirtschaft (Defra), dass das Virus bei Kühen auf einer Farm in Surrey gefunden worden ist. Es wird angenommen, dass das Virus aus einem nahe gelegenen Labor stammt, in dem über die Seuche und mögliche Impfstoffe geforscht wird.

Was ist das Schlimme an Maul- und Klauenseuche?

Maul- und Klauenseuche ist hoch ansteckend und verläuft häufig tödlich, vor allem bei jungen Tieren. Nur in seltenen Fällen ist sie für Menschen gefährlich, dennoch wird sie aufgrund ihrer verheerenden Folgen, darunter Verkaufs- und Exportverbote, von den Farmern gefürchtet.

Die Seuche ist in Großbritannien, wo bei einem Ausbruch 2001 mehr als sechs Millionen Tiere geschlachtet wurden, ein heikles Thema. Forschungen kurz nach dem Ausbruch ergaben, dass durch striktere Sicherheitsmaßnahmen bis 60 Prozent der Schlachtungen hätten vermieden werden können.

Warum werden Labore beschuldigt?

Die Defra erklärt, dass nach "derzeitiger Kenntnis" der Virenstamm, der bei dem jetzigen Ausbruch gefunden wurde, dem Stamm mit der Bezeichnung 01 BFS67 sehr ähnlich ist. Dieser Stamm wurde vor 40 Jahren, bei einem Ausbruch der Seuche 1967, isoliert und wird heute noch in zwei Laboren in Pirbright, etwa vier Meilen von der betroffenen Farm entfernt, verwendet.

"Wir sind uns noch nicht völlig sicher, aber es sieht danach aus, als sei das Virus aus dem Labor freigesetzt worden", sagt Professor Neil Ferguson vom Imperial College in London.

Das Institute of Animal Health in Pirbright nutzt diesen Virusstamm für seine Forschung zur Maul- und Klauenseuche. Das Tierpharma-Unternehmen Merial, das auf demselben Gelände ansässig ist, verwendet den Erreger zu Herstellung von Impfstoffen. Aus der Nähe dieser Firmen, die den ungewöhnlichen Erreger verwenden, zum Ausbruchsort, haben viele geschlussfolgert, dass das Virus von dort stammt. Die Hochwasser der jüngsten Zeit werden ebenfalls als ein Weg untersucht, auf dem sich das Virus ausgebreitet haben könnte.

Wie steht es um die Laborsicherheit?

Einige Experten haben ihr Erstaunen darüber geäußert, dass das Virus aus einer der Einrichtungen in Pirbright entwichen sein soll. Einrichtungen wie dieses verfügen über Luftschleusen, Duschen und Umkleideräume für das Personal und in den Laboren herrscht Unterdruck. Das bedeutet, dass in den Laboren ein niedrigerer Druck besteht als in der Umgebung, so dass Luft nicht ungefiltert entweichen kann.

"Dies war ein Labor der Defra-Kategorie 4, das ist eine Stufe unter den Laboren, in denen mit Ebola- oder Pockenviren gearbeitet wird", erklärt Ferguson. "Diese Kategorie rangiert also direkt hinter Laboren, in denen mit humanpathogenen Viren gearbeitet wird."

Und nun?

Die Defra hat bereits Tiere der betroffenen Farm schlachten lassen und eine Sperrzone eingerichtet. Außerdem wird versucht nachzuvollziehen, wer mit den Tieren in Kontakt gekommen ist und Tiere, die ein hohes Risiko tragen, ebenfalls infiziert zu sein, geschlachtet.

Ein generelles Transportverbot für Tiere, die für die Seuche empfänglich sind, ist ebenfalls für ganz Großbritannien erlassen worden. Es gilt nicht nur für landwirtschaftliche Nutztiere wie Rinder und Schafe, sondern auch für Ilamas, Hirsche und Zootiere, darunter Elefanten.

Die Defra hat bereits Untersuchungen eingeleitet; die UK Health and Safety Executive stellt ebenfalls Untersuchungen bei Merial und dem Institute for Animal Health an. Eine unabhängige Untersuchung der Laborsicherheitsbedingungen ist gleichfalls in Auftrag gegeben worden, sie wird von dem Epidemiologen Brian Spratt vom Imperial College in London geleitet.

Sollte sich die Seuche weiter ausbreiten, könnten Impfungen und weitere Schlachtungen erfolgen, um sie einzudämmen.

Impfen oder nicht impfen?

Die Frage, ob Impfungen bei der Maul- und Klauenseuche sinnvoll sind, wird kontrovers diskutiert. Eine große Schwierigkeit besteht darin, dass es keinen wirklich reliablen Test gibt, mit dem man geimpfte von infizierten Tieren unterscheiden kann. 2003 erklärte die Bundesforschungsanstalt für Tiergesundheit in Tübingen (heute Friedrich-Löffler-Institut), einen Test entwickelt zu haben, mit dem sich die beiden Gruppen differenzieren lassen. Experten warnen jedoch, dass selbst bei einem Test mit einer 99,9-prozentigen Reliabilität im Falle eines massiven Ausbruchs viele Tiere falsch diagnostiziert würden.

Aber es gibt noch weitere Probleme. Es existieren viele Erregerarten und nicht alle Impfungen schützen gegen jede Art. Obendrein braucht es Zeit, bis nach einer Impfungen Immunität gegen die Erkrankung gegeben ist, wodurch die Seuche immer noch Zeit hätte, sich auszubreiten.

Dieser Artikel wurde erstmals am 6.8.2007 bei news@nature.com veröffentlicht. doi: 10.1038/news0700806-1. Übersetzung: Sonja Hinte. © 2007, Macmillan Publishers Ltd

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