Wissen : Siegerehrung für Ertl und Grünberg

In Stockholm wurden die Nobelpreise verliehen

Dagny Lüdemann

Als Anfang Oktober bekannt gegeben wurde, dass zwei Deutsche die Nobelpreise in Physik und Chemie erhalten, war das ein Glücksmoment für Deutschlands Forschung. Vor allem den Naturwissenschaften, die jetzt auch in den Schulen wieder stärker gefördert werden, scheint dieser Doppelerfolg schon jetzt Aufwind verschafft zu haben.

Am Montag haben die beiden Physiker Gerhard Ertl und Peter Grünberg nun bei der feierlichen Verleihung in Stockholm ihre Auszeichnungen entgegengenommen. Zuvor hatten sie an alle Studenten appelliert, bei wissenschaftlicher Arbeit vor allem der eigenen Neugier zu folgen. „Man muss die Neugier der Studenten einfach anzapfen. Wenn sie neugierig sind, finden sie auch etwas heraus. Das ist die Quintessenz von Wissenschaft“, sagte Ertl. Grünberg meinte: „Man kann gar nicht früh genug damit anfangen.“

Gerhard Ertl, der bis zu seiner Pensionierung 2004 Direktor am Berliner Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft war, hatte am 10. Oktober, seinem 71. Geburtstag, erfahren, dass er den Chemienobelpreis erhält – und das, obwohl er von Hause aus Physiker ist. Ertl begründete den Forschungszweig der Oberflächenchemie. Er untersuchte, wie Elemente auf verschiedenen Oberflächen reagieren und konzentrierte sich dabei vor allem auf Katalyseverfahren, bei denen bestimmte Stoffe chemische Reaktionen beschleunigen. Eingesetzt werden solche Verfahren zum Beispiel in Autokatalysatoren, um Schadstoffe aus Abgasen zu filtern. Ertl gelang es außerdem, Details des Haber-Bosch-Verfahrens aufzuklären, bei dem Ammoniak entsteht – der Ausgangsstoff für künstliche Düngemittel. Für seine Arbeit überreichte ihm der schwedische König Carl XVI. Gustaf gestern persönlich den Nobelpreis.

Als zweiter Deutscher hat der 68-jährige Peter Grünberg vom Helmholtz-Forschungszentrum Jülich eine Auszeichnung erhalten. Er teilt sich den Physik-Nobelpreis 2007 mit Albert Fert, 69, von der Universität Paris für die Arbeit mit magnetischen Effekten. Dank ihrer Arbeiten können Computer und MP3-Spieler heute enorme Datenmengen speichern.

Die beiden deutschen Preisträger nutzten die Interviews seit Oktober bis zur Preisverleihung vor allem dazu, junge Menschen für die Naturwissenschaften zu begeistern. „In der Physik müssen wir einige sehr grundlegende Fragen klären“, sagte Ertl. In der Chemie würden sich vor allem die Grenzen zur Biologie verschieben, die sich mehr und mehr zu einer Molekularwissenschaft entwickele. Beide Wissenschaftler, die ihre preisgekrönten Arbeiten an außeruniversitären Forschungszentren machten, zweifelten aber auch daran, dass sie an einer deutschen Hochschule neben dem Lehrbetrieb ähnlich erfolgreich hätten forschen können.

Während Ertl und Grünberg ihre mit je zehn Millionen Schwedischen Kronen (1,1 Millionen Euro) dotierten Preise in Stockholm bekamen, wurden in Norwegens Hauptstadt Oslo der frühere US-Vizepräsident Al Gore und der Weltklimarat für ihren Einsatz gegen eine drohende Klimakatastrophe mit dem Friedensnobelpreis geehrt.

Den Medizinpreis teilten sich die Genetiker Mario Capecchi (Uni Utah) und Oliver Smithies (Universität von North Carolina in Chapel Hill) mit dem Briten Martin J. Evans von der Cardiff Universität. Ihnen gelang es, Mäusegene auszuschalten, um Modelltiere für Leiden wie Bluthochdruck oder Diabetes zu erzeugen.

Den Nobelpreis in Wirtschaftswissenschaften bekamen Leonid Hurwicz von der Uni Minnesota und seine US-Kollegen Eric Maskin von der Princeton-Universität sowie Roger Myerson von der Uni Chicago für ihren Beitrag zur „Mechanismus-Designtheorie“ – einem Teilbereich der Spieltheorie, der sich damit befasst, wie ein Markt funktioniert, dessen Informationen nicht allen Teilnehmern zugänglich sind.

Der Literaturnobelpreis wurde an die 88 Jahre alte britische Schriftstellerin Doris Lessing vergeben, die aus gesundheitlichen Gründen nicht zur Verleihung kommen konnte. Dagny Lüdemann

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