Sinnesbiologie : Frauen riechen besser

Der Riechsinn des Menschen ist nicht sehr ausgeprägt. Aber Frauen haben zumindest mehr Nervenzellen in ihren Riechkolben als Männer.

Frauen reagieren empfindlicher auf Gerüche, können einzelne Duftstoffe sicherer identifizieren und sich besser an einen bestimmten Geruch erinnern. Für diese wahrscheinlich angeborenen Unterschiede haben brasilianische Forscher jetzt eine plausible biologische Erklärung gefunden: Frauen verfügen über fast 50 Prozent mehr Nervenzellen in ihren Riechkolben als Männer. Die Riechkolben sind Strukturen des vorderen Gehirns, die Geruchssignale von der Riechschleimhaut der Nase in die Hirnteile weiterleiten, in denen die Geruchswahrnehmung erfolgt. Die größere Zelldichte sei ein indirekter Hinweis auf eine bessere Funktion der Nervenzellen, schreiben die Forscher im Fachblatt „Plos One“.

Riechkolben von Toten untersucht

„Es erscheint sinnvoll anzunehmen, dass die größere Zahl an Neuronen im Riechkolben den Frauen eine bessere Riechleistung ermöglicht“, sagt Roberto Lent von der Universität Rio de Janeiro. Sein Team entnahm Riechkolben aus den Gehirnen von sieben Männern und elf Frauen, die im Alter zwischen 55 und 94 Jahren gestorben waren. Mithilfe einer speziellen Technik ermittelten sie den Gehalt an Neuronen und anderen Hirnzellen, sogenannten Gliazellen. Obwohl das Gewicht der Riechkolben bei Männern und Frauen gleichen Alters nahezu gleich war, ergaben sich überraschend große Unterschiede in den Zellzahlen.

Bleibt die Frage, warum die Evolution Frauen zu einem besseren Geruchssinn verholfen hat. Möglicherweise war für sie die Wahrnehmung und Bewertung des Körpergeruchs von besonders großer Bedeutung für ihren Fortpflanzungserfolg: Eine gute Nase könnte geholfen haben, den passenden Partner zu finden und so die Überlebenschancen der Kinder zu verbessern. (wsa)

Im Laufe ihres Lebens entwickeln Frauen offenbar einen besser ausgeprägten Riechsinn als Männer.
Im Laufe ihres Lebens entwickeln Frauen offenbar einen besser ausgeprägten Riechsinn als Männer.Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb

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