Skepsis : FU: Dieter Lenzens Senats-Kritik hilft uns nicht

An der Freien Universität hält man Dieter Lenzens Kritik am Berliner Senat für zu laut - sie sei nicht zuletzt motiviert durch "persönliche Animositäten", heißt es.

Anja Kühne

An der Freien Universität gibt es Skepsis gegenüber der Polemik des scheidenden FU-Präsidenten Dieter Lenzen am Berliner Senat. Die Befürchtung wachse, Lenzens Äußerungen zur Wissenschaftspolitik könnten nicht nur das Tischtuch zwischen der FU und dem Senat zerschneiden, sondern auch ein allzu schlechtes Licht auf den Wissenschaftsstandort werfen: „Er sollte nicht noch weiter gehen“, sagte ein Professor dem Tagesspiegel. „Das hilft uns nicht.“ Lenzens Abrechnung enthalte zwar berechtigte Sorgen. Sie sei aber nicht zuletzt motiviert durch eine „persönliche Animosität“ zum Wissenschaftssenator. Die Neuwahlen – auch an der HU und der TU – böten eine Chance für einen „Neuanfang“, was das Verhältnis zu Zöllner angehe. So sei auch eine völlige Ablehnung der Einstein-Stiftung für die FU kontraproduktiv.

Lenzen, der nach Hamburg wechselt, hatte das „Steuerungsverständnis“ von Zöllner mit der in China herrschenden Philosophie verglichen und die „zerstörerische Politik von Sozialisten und Sozialdemokraten“ gegeißelt. In der Politik scheiden sich denn auch die Geister an Lenzens Person. Zöllner hat Lenzens Leistung als FU-Präsident zwar gewürdigt, aber auch seine einseitig auf FU-Interessen ausgerichtete Strategie kritisiert.

Die CDU wirft der SPD nun „Arroganz der Macht vor“. Und sie empört sich über eine Äußerung des wissenschaftspolitischen Sprechers der Linken, Wolfgang Albers, man werde Lenzen keine Träne nachweinen. Dies sei „an Unverschämtheit kaum zu überbieten und zeigt das Desinteresse dieser Koalition an einer erfolgreichen Wissenschafts- und Forschungslandschaft umso deutlicher“, schreiben Frank Henkel und Nicolas Zimmer. Nicht wegen, sondern trotz Zöllner sei Berlin in der Wissenschaft erfolgreich. Seit die CDU in der Opposition ist, gibt sie sich wissenschaftsfreundlich. In den neunziger Jahren hatte der Diepgen-Senat umgerechnet fast 500 Millionen Euro bei den Unis gespart. TU und FU verloren die Hälfte ihrer Professoren. Auf Antrag der CDU wird es heute im Abgeordnetenhaus eine Aktuelle Stunde zu Lenzens Weggang geben.

Unterdessen bemüht sich die FU, schnell eine neue Leitung zu finden. Mit Lenzens Rücktritt müssen auch die Vizepräsidenten neu gewählt werden. Lenzen verhandelte am Mittwoch zweieinhalb Stunden mit der Hamburger Wissenschaftssenatorin Herlind Gundelach. Sie teilte im Anschluss mit, es müssten „noch einige Fragen geklärt werden“. akü

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