Solartechnik : Sonnenstrom für den trüben Norden

Ralf Nestler

Manche halten es für verrückt, andere für einen Meilenstein auf dem Weg zur klimafreundlichen Stromgewinnung: solarthermische Kraftwerke rund ums Mittelmeer sollen Elektroenergie erzeugen, die über spezielle Langstreckenleitungen ins vergleichsweise trübe Mitteleuropa geschickt wird. „Diese Anlagen allein können das Klimaproblem nicht lösen, aber sie sind ein wichtiger Bestandteil“, sagte Thomas Macini, Solarpaces-Vorsitzender gestern in Berlin auf der Fachkonferenz „Solarpaces 2009“. Hinter dem Namen steht ein Programm der Internationalen Energieagentur (IEA), das die Solarthermie voranbringen soll.

Dabei wird Sonnenlicht über Spiegel so stark fokussiert, dass die Wärme eine Flüssigkeit zum Sieden bringt. Der daraus entstehende Dampf treibt eine Turbine an, die wiederum Strom liefert. Weltweit gibt es neun derartige Anlagen, etwa in Spanien, den USA und in Jülich.

Den Berechnungen der IEA zufolge könnten 2050 rund sechs Prozent des Strombedarfs mit solarthermischen Kraftwerken gedeckt werden. Die Vorteile gegenüber anderen erneuerbaren Energiequellen bestehen darin, dass die Sonnenstrahlung gerade in Nordafrika stabil ist und nicht so stark schwankt wie zum Beispiel der Wind. Außerdem erzeugen die Anlagen Wärme, die sich in Form von flüssigem Salz über mehrere Stunden speichern lässt, um die Stromproduktion an Bedarf und Wetter anzupassen.

Obwohl die Technik immer weiter verbessert wurde, steht der große Durchbruch noch aus. Das liegt unter anderem an den hohen Investitionen. Ein einzelnes Kraftwerk, das Strom für knapp 100 000 Menschen erzeugt, kostet mehr als 200 Millionen Euro. Doch es fänden sich immer mehr finanzkräftige Investoren, berichtete Henner Gladen von der Firma Solar-Millenium. Nach Angaben der Fachgesellschaft Estela sind allein in Südeuropa gut 30 weitere Kraftwerke geplant. Für Nordafrika sieht es anders aus. Dort ist neben den politischen Voraussetzungen ein neues Stromnetz vonnöten, das die Energie nach Europa bringen kann. nes

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