SpaceX landet Rakete in Cape Canaveral : Dem Himmel ein Stück näher

Zum ersten Mal gelingt es, eine Rakete sicher zur Erde zurückzubringen. Es ist bezeichnend, dass dahinter keine Raumfahrtbehörde steht, sondern ein quirliger Internetmilliardär. Ein Kommentar.

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Glückliche Heimkehr. Die Langzeitbelichtung zeigt, wie die Falcon-9 des Unternehmens SpaceX aus dem All zum Weltraumzentrum Cape Canaveral zurückkehrt.
Glückliche Heimkehr. Die Langzeitbelichtung zeigt, wie die Falcon-9 des Unternehmens SpaceX aus dem All zum Weltraumzentrum Cape...Foto: REUTERS

Sie haben Glück gehabt, wer wüsste das besser als sie selbst. Trotzdem ist die Sensation von Cape Canaveral in erster Linie ihrer Ingenieurskunst zu verdanken. Die Mitarbeiter der Firma SpaceX haben eine Rakete konstruiert, die nach getaner Arbeit im All nicht wie üblich in der Atmosphäre verglüht oder ins Meer stürzt, sondern sanft zur Erde zurückkehrt. Die Bilder von der Landung laufen auf allen Kanälen. Sie verwirren, weil sie allem widersprechen, was die Raumfahrt bisher vermittelt hat. Kerzengerade mit der Spitze nach oben fällt die Rakete aus dem Himmel, der Feuerstrahl der Triebwerke erhellt die Nacht von Florida und bremst das Monstrum, das kurz darauf auf vier ausgeklappten Beinen zum Stehen kommt.

Weniger Weltraumschrott und billigere Starts

Nach einer Durchsicht und ein paar Reparaturen, so die Hoffnung, können Raketen künftig bald zum nächsten Flug aufbrechen. Mit dieser Technik sind große Hoffnungen verknüpft. Sie würde dazu beitragen, dass der Weltraumschrott im Orbit, der bereits jetzt in gefährlicher Menge um die Erde kreist, nicht weiter zunimmt. Vor allem aber soll sie Flüge ins All billiger machen. Satellitenstarts würden weniger kosten, ebenso Forschungsmissionen von Astronauten und auch der Traum vom Weltraumtourismus erscheint nun etwas realistischer.

Die erste sanfte Landung aus einer Höhe von 200 Kilometern ist ein Meilenstein der Raumfahrt. Es ist bezeichnend, dass dies keiner staatlichen Raumfahrtagentur oder einer halbstaatlichen Firma der Branche gelang, obwohl auch dort seit Jahren über wiederverwendbare Raketen nachgedacht wird. Es wurde nur gedacht und nicht gemacht. Das tun Unternehmen, die erst seit Kurzem mitmischen, wie SpaceX. Dahinter steht der Internetmilliardär Elon Musk, der mit dem Online-Bezahldienst PayPal zu Geld gekommen war und damit sein Raumfahrtunternehmen sowie den Hersteller von Elektroautos Tesla Motors gründete.

Die Unternehmen bringen Schwung in die staatstragende Raumfahrt

SpaceX ist erfolgreich und hat binnen kurzer Zeit wichtige Aufträge der Raumfahrtbehörde Nasa erhalten. Die Firma beliefert mit unbemannten Frachtern die Internationale Raumstation, ab 2017 soll sie US-Astronauten vom heimischen Boden aus zur Station fliegen und so das gegenwärtige Transportmonopol Russlands brechen.

Längst tüfteln Musk und seine Experten an Flügen zum Mars und an Wohnmodulen, die auf dem Planeten errichtet werden sollen. Was daraus wird, kann heute keiner sagen. Sicher ist aber, dass die jungen Wilden – dazu gehört auch Amazon-Gründer Jeff Bezos mit seiner Firma Blue Origin – endlich Schwung in die tendenziell staatstragende Raumfahrt bringen.

Zwei Dinge treiben sie an: der alte Menschheitstraum, ins All aufzubrechen, und die Hoffnung auf finanziellen Gewinn. Wie Musk investieren viele Digitalmilliardäre ihr Geld teilweise in ganz andere, visionäre Bereiche – vom Weltraumtourismus über Kernfusion bis zur Genomforschung. Das ist gut, denn das zusätzliche Geld treibt den Fortschritt an. Allerdings sollte der Staat darauf achten, wichtige Zukunftsfelder nicht allein den privaten Investoren zu überlassen. Sie könnten nämlich das Interesse verlieren, wenn sich Rückschläge häufen.

Ob die Technik hält, was man erhofft, muss sich zeigen

Auch Musk und seine Ingenieure mussten einige Fehlschläge hinnehmen, doch sie hielten durch. Zum Glück. Ob auch der nächste Landeversuch ihrer Rakete gelingt und ob das Recyclingkonzept am Ende wirklich billiger ist – bei den Spaceshuttles der Nasa wurde diese Hoffnung bitter enttäuscht –, wird man sehen. Sollte ihr Weg der richtige sein, dann sind wir dem Weltraum tatsächlich etwas näher gekommen.

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