Spätfolgen nach Krebs : Der Preis des Überlebens

Wenn ein Kind eine Leukämie, ein Lymphom oder einen Hirntumor übersteht, scheint das Schlimmste hinter ihm zu liegen. Jahrzehnte später kämpfen aber fast alle mit den Spätfolgen von Tumor und Therapie.

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35 Jahre nach der Krebsdiagnose haben etwa 95 Prozent von ihnen eine chronische Krankheit. Bei 75 Prozent ist dieses Leiden ernst, mit einer Behinderung verbunden oder sogar lebensbedrohlich. Herz, Lunge, Hormonhaushalt und zentrales Nervensystem sind – je nach Behandlung – besonders oft geschädigt, schreiben Ärzte um Melissa Hudson vom St. Jude Kinderkrankhaus in Memphis im Fachblatt „Jama“.

„Unsere Daten legen nahe, dass die Überlebenden schneller altern“, sagt Hudson. Ihr Team hat mehr als 1700 Menschen, die zwischen 1962 und 2001 als Kind einen Krebs in diesem Krankenhaus besiegt hatten, erneut einbestellt, eingehend untersucht und ihre Gesundheit fünf Jahre überwacht. Dabei machten die Ärzte nicht nur Standardtests, sondern unterteilten die ehemaligen Patienten in Risikogruppen – je nach Art der Chemotherapie und Bestrahlung.

56 Prozent derer, die eine herzschädigende Behandlung bekommen hatten, bekamen später tatsächlich Herzprobleme. Bei mehr als 45 Prozent wurde das erst durch die Studie entdeckt. Ähnlich war es bei der Lunge: Etwa 65 Prozent der ehemaligen Patienten, deren Brustkorb bestrahlt wurde oder die eine bestimmte Chemo brauchten, hatten später eine eingeschränkte Lungenfunktion. Bei 62 Prozent der Überlebenden war der Hormonhaushalt gestört. Von den Patienten, deren Ohren bestrahlt werden mussten oder die Platinderivate bekommen hatten, hörten mehr als 60 Prozent schlecht. Gedächtnis, Reaktionsgeschwindigkeit oder mathematische Fähigkeiten waren bei der Hälfte derer beeinträchtigt, bei denen als Kind das zentrale Nervensystem behandelt werden musste.

Die Probleme verschlimmerten sich, je älter die Krebsüberlebenden wurden. Sie brauchen deshalb regelmäßige, auf sie zugeschnittene Gesundheits-Checks, betonen die Autoren.

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